Bruch mit der Moderne

Zum Kommentar von Georg Anastasiadis „Erdogans böses Gebet“ (Politik):

Dem kann ich nur zustimmen: Mit höflichen Ermahnungen wird Herrn Erdogans islamistischer Agenda nicht beizukommen sein. Es gibt kein islamisches Land, aus dem nicht ein islamistisches Land hervorgehen kann. Es gibt kein islamisches Land, in dem Bürgerrechte und Gleichberechtigung aller Bürger gesetzlich vorgeschrieben und angewendet werden.

Ich selbst konnte durch Aufenthalte in Indonesien zwischen 1964 und 1986 erleben, wie aus einem gemäßigt islamischen Land mit einer toleranten Verfassung aus dem Jahr 1945, die gleiche Rechte für alle Weltreligionen versprach, ein durch saudische Petrodollars in Richtung Wahabismus korrumpiertes Land wurde. Rein äußerlich schon erkennbar durch Kopftuch und Körperverhüllung – eine Kleidung, die ich damals in den 1960ern und 70ern nur in seltenen Ausnahmefällen wahrnahm.

Samuel Schirmbeck, deutscher Journalist in Nordafrika, schreibt dazu in seinem Buch „Der islamische Kreuzzug und der ratlose Westen“: „Die Kopftuch- und Verschleierungspropagandisten verlassen sich darauf, dass die meisten Westeuropäer nie lang genug in muslimischen Ländern gelebt haben, um die Wanderung des Islam Richtung Islamismus mit eigenen Augen beobachtet haben zu können.“

Unter diesem deutschen Gutmenschentum leiden nicht nur diejenigen, die diese muslimischen Länder mit Sorge von außen betrachten und dafür als Islamfeinde und Rassisten beschimpft werden, sondern auch liberal denkende Bürger und Atheisten in muslimischen Ländern. Der Bruch der hochgerüsteten, Krieg führenden Türkei mit Europa und den Werten der Aufklärung und der Moderne sollte uns alarmieren.

Gisela Munker

Rimsting

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