Blutrünstige Bräuche

Zu „Schöpfer und Retter aller Menschen“ (Leserbrief):

Moses schmierte Blut des Opferstiers auf die Hörner des Altars, um ihn zu entsündigen und goss das Blut am Altarsockel aus, um ihn zu weihen. Dann spritzte er Blut des Widders rings um den Altar, verbrannte den Widder zum Wohlgeruch für Gott und betupfte Aarons rechtes Ohrläppchen, den rechten Daumen und den rechten großen Zeh mit Blut. Steinzeit-Mentalität. Noch im Hebräerbrief 9,13-14 wird statt mit Weihwasser mit Blut gespritzt wie beim Voodoo-Kult. Beim Kybele-Kult wurden Adepten unter einem Lattenrost stehend mit dem Blut eines Stiers, der über ihnen geschlachtet wurde, „getauft“. Paulus war von den Kulten befangen, darum philosophierte er zum Opferkult: Erst die Ermordung eines Gottesohnes war ein Opfer, das Gott vollkommen zufriedenstellte. Paulus war kein Jünger Jesu gewesen. Der liebevolle Vater, den Jesus lehrte, war wieder der Blutsühne fordernde Jahwe. So wurden alte Bräuche übernommen in der unappetitlichen Sprachschablone: „Jesu heiliges Blut wäscht alle reumütigen Sünder frei von Schuld.“ Die Blutsauerei müsste endlich neu formuliert werden. Jesus zeigt den Weg zum Frieden. Doch an dessen Lehrworte hielt sich die geistliche und weltliche Politik sehr bald selbst nicht.

Rolf Koller Neubeuern

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