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OVB-Leserforum

Blockabfertigung und Brenner-Nordzulauf: „Quo vadis, Deutschland“

Lkw stehen auf der Autobahn A93 Richtung Österreich wegen der Blockabfertigung am Grenzübergang im Stau.
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Lkw stehen auf der Autobahn A93 Richtung Österreich wegen der Blockabfertigung am Grenzübergang im Stau.

Die Blockabfertigung und der Brenner-Nordzulauf sorgen für Diskussionen bei den OVB-Lesern. Kann nur die Verlagerung des LKW-Verkehrs auf die Schiene die Lösung bringen?

Johanna Schmid (Rosenheim): Das Mitglied des Bundestags, Frau Daniela Ludwig, müsste wissen, dass die Hauptursache des gestiegenen Lkw-Verkehrs über den Brenner die vom Europäischen Parlament beschlossene Senkung der „Brenner Maut“ ist. Der im Bericht erwähnte Herr Ferber, verkehrspolitischer Sprecher der CSU im Europäischen Parlament, müsste darauf drängen, dass der Senkungsbeschluss, von allen deutschen Europa-Abgeordneten mitbeschlossen, rückgängig gemacht wird. Nur wenn sich der bisherige Umweg von bis zu 400 Kilometer über den Brenner nicht mehr für die Lkw lohnt, wird ein Rückgang des Lkw-Verkehrs eintreten (zum Beispiel über den Gotthart-Tunnel). Dass Tirols Landeshauptmann reagiert, ist nachvollziehbar, deshalb „Ludwig, wach auf und erkenne, wo die Ursache liegt.“

„Entscheidend war die Geologie“

Manfred Kreibig (Pocking) Für die Auswahl der Trasse Violett war das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens wichtig, entscheidend war aber die Geologie. Zitat Bahnplaner: „Für Bahnstrecken auf Seeton im Zentralbereich des Rosenheimer Beckens (Raum Kolbermoor - Raubling) kann aufgrund der ermittelten Langzeit-Kriechverformungen die Gebrauchstauglichkeit gemäß gültigem Regelwerk über weite Bereiche nicht nachgewiesen werden.“

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Damit schieden die Trassenvarianten Gelb, Türkis und Olive aus, was den Widerstand der Region spürbar verringerte. Ich möchte jetzt nicht die Arbeit der mit der Prüfung beauftragten Geologen infrage stellen, aber es sei doch erlaubt festzustellen, dass eine solche Langzeit-Kriechverformung sicher auf der bestehenden Bahnstrecke feststellbar wäre, die streckenweise ebenfalls im Seetonbereich verläuft – und zwar schon sehr lange. Zitat DB: „Streckenjubiläum mit Zukunft: Seit 150 Jahren rollen Züge zwischen Grafing und Rosenheim… Eine Bahnverbindung zwischen München, Rosenheim und Kufstein gab es bereits seit 1858.“ Während die Streckenänderung 1871 eine Streckenverkürzung brachte, war die bereits 1858 fertiggestellte Inntaltrasse vom Innverlauf beeinflusst. Sie musste hochwassersicher sein, und dazu wurden auch umfangreiche sogenannte Inn-Korrektionen durchgeführt. Seetonprobleme, etwa im Bereich des Bahnhofs Rosenheim, waren seinerzeit wohl noch kein Thema und zwischenzeitlich ist auch in Kolbermoor, Raubling oder Rosenheim kein Zug entgleist, weil sich etwa die Schienen absenkten. Sollten nicht doch Alternativen der Westvarianten, möglichst gebündelt mit der Bestandsstrecke geprüft werden? Es ist eine Straßenbrücke im Bau (B15), teuer aber möglich, warum daneben keine Eisenbahnbrücke?

„Güterverkehr auf die Schiene bringen“

Norbert Malterer (Aschau): Die Schuld an dem tragischen Unfall, bei dem ein Gefahrgut-Transporter auf einen Lkw aufgefahren ist, der Blockabfertigung zu geben, ist schon deutlich zu kurz gesprungen. Ist es denn nicht vielmehr so, dass der gesamte Güterverkehr nicht auf die Straße, sondern auf die Schiene gehört? Aber das ehemalige Land der „Dichter und Denker“ ist offensichtlich nicht fähig, dies logistisch auf die Reihe zu bekommen. Wer schon einmal an einem Werktag von Salzburg nach München auf der A8 gefahren ist, wird bestätigen können, dass nahezu auf der gesamten Strecke eine Fahrspur durch Lkw belegt ist.

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Würde man diesen Güterverkehr auf die Schiene bringen, könnte man sich den völlig überdimensionierten und verplanten Ausbau der A 8 zwischen Rosenheim und Bernau ersparen und die Pläne einer neunten und zehnten Fahrspur vom Inntaldreieck nach München verwerfen, von den CO2-Einsparungen ganz zu schweigen. Das komplette Politikversagen zeichnet sich nicht nur im Gesundheitswesen (Corona) ab, sondern zieht sich auch durch das Verkehrsministerium, so war man Jahrzehnte lang nicht in der Lage, den trägen, antriebslosen Dampfer Deutsche Bahn flott zu bekommen. Oder war dies eventuell gar nicht gewollt, da die Lobby der Autoindustrie viel zu übermächtig ist? Quo vadis, Deutschland.

„Auf eine gute Nachbarschaft“

Thomas Scherlin (Erl/Österreich): Seit fünf bis sechs Jahren existieren die Grenzsicherungen in Kiefersfelden gegen Flüchtlinge und Kriminelle und was auch immer. Ohne die genaue Zahl zu kennen, schätze ich, dass es seither ungefähr genau so viele Tote und noch mehr Schwerverletzte durch Auffahrunfälle am Stauende gab. Ich pendle täglich auf dieser Strecke und habe einige dieser Unfälle passiert. Jedes Mal habe ich mich gefragt, ob ein paar Flüchtlinge diese Tragödien rechtfertigen können. Der letzte Tote war ein junger Familienvater vor einigen Monaten.

Ganz zu schweigen vom finanziellen Aufwand, und, ja, auch von der Verkehrsbehinderung, welche auf der anderen Seite uns in Tirol immer vorgeworfen wird. Jetzt hat es offenbar den ersten Toten auf deutscher Seite gegeben. Tragisch. Gleich wird mit Klagen gedroht. Obwohl jeder Führerscheinbesitzer weiß, wer bei einem Auffahrunfall schuld hat. Liebe Nachbarn, bitte droht uns nicht mit Klagen für Staus, welche ihr in weit größerem Ausmaß und mit viel mehr Todesopfern auf der anderen Seite bereits produziert habt. Konstruktiver wäre es, diese Energie in eine gemeinsame Lösung unseres Verkehrsproblems einzubringen (Trasse für Brennerbasistunnel). Auf eine gute Nachbarschaft.

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