Blockabfertigung: Deutsche Verkehrspolitik hat versagt

Aufregerthema Blockabfertigung: Der Streit um den Lkw-Transit belastet die Beziehungen zwischen Bayern und Tirol.
+
Aufregerthema Blockabfertigung: Der Streit um den Lkw-Transit belastet die Beziehungen zwischen Bayern und Tirol.

Zum Artikel „Appell an Verkehrsminister“ (Regionalteil):

Frau Ludwig schießt sich wegen der Lkw-Blockabfertigung auf Tirol ein. Das ist die falsche Richtung. Seit mehr als 20 Jahren drängen die österreichischen Inntal-gemeinden darauf, dass Bayern, Deutschland oder die EU endlich Maßnahmen ergreifen, um den permanent steigenden Lkw-Transitverkehr einzugrenzen. Es passiert aber nichts. Im Gegenteil: Insbesondere die bayerische Staatsregierung und auch die CSU-Verkehrsminister in Berlin haben jegliche Weichenstellung verhindert, die eine stärkere Verlagerung von Gütern auf die Bahn gefördert hätte. Stattdessen baut aktuell der bayerische Innenminister die Lkw-Parkplätze längs den Autobahnen massiv aus, anstatt sich über die Möglichkeiten einer Korridormaut für Lkw im bayerischen Inntal mit dem Verkehrsministerium in Berlin ins Benehmen zu setzen. Hierbei könnte Frau Ludwig hervorragend in Berlin unterstützen, statt sich über die österreichische Politik zu beklagen. Denn auch die bayerischen Inntal-Gemeinden leiden unter dem Lkw-Transit. So muss man sich nicht wundern, wenn am Ende den Österreichern der Kragen platzt und sie nach 20 Jahren Hinhaltetaktik die Geduld verlieren. Nur mit derartigen Maßnahmen wie der Blockabfertigung kommt Bewegung in die festgefahrene Diskussion. Frau Ludwig: Kümmern Sie sich doch bitte ebenfalls um Ihre Bürger. Helfen Sie mit bei der Verlagerung von Gütern auf die Schiene, um das Problem der Lkw-Flut endlich prinzipiell zu lösen.

Dr. Willi Messing

Bad Aibling

An sich sind ja wir Bayern und Tiroler eng verwandt (nun gut, einige Scharmützel vor langer Zeit sind vergessen) und raufen eigentlich nicht mehr. Aber diese tirolerischen Lkw-Blockaden sind schon sehr nervig. Man könnte aber vielleicht auch ein kleines Zuckerl dazu tun: bei der nächsten Blockade an allen Autobahnausfahrten zwischen Rosenheim und Kufstein alle Lkw mit österreichischen Kennzeichen strikt ausleiten und warten lassen. Wenn dann der Stau aufgelöst ist, dürfen sie wieder flott weiterfahren und sich über die Tiroler ärgern. Nix für unguat, Herr Landeshauptmann.

Hans Daxer

Marquartstein

Bereits im Februar 2020 wies ich in einem Leserbrief auf die unerträglichen Missstände der Tiroler Lkw-Dosierung für die Bevölkerung des Inntals hin. Ich schrieb damals, dass Bayern an den Dosierungstagen ebenfalls eine Lkw-Blockade Richtung Bayern einrichten soll, dann stünden die Lkw auf Tiroler Seite bis Innsbruck. Nur dann würde sich eventuell auf Tiroler Seite etwas ändern. Die letzten zehn Monate hörte man nichts dazu von bayerischer oder deutscher Politik. Doch plötzlich kommt die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig auf die Idee, man müsse mit Tirol Gespräche führen, um die Missstände im Inntal zu beseitigen. Ist doch klar, nächstes Jahr sind ja Bundestagswahlen, da muss man sich wieder ins Gespräch bringen. Was haben die Verkehrsminister, allen voran Andreas Scheuer, in den letzten zehn Monaten fürs Inntal gemacht? Nichts, rein gar nichts. Er bringt ihnen sogar noch eine weitere Belastung mit der neuen Brenner-Bahntrasse. Politiker, wacht endlich auf und wehrt euch gegen die Tiroler Lkw-Blockade oder sind die Inntaler nur Menschen zweiter Klasse? Es muss nicht nur mit Tirol geredet werden, sondern auch gegen diese gehandelt werden – mit sinnvollen Gegenmaßnahmen!

Josef Heller

Rosenheim

Als Betroffener der Tiroler Blockabfertigung und deren Auswirkung bin ich erleichtert, dass dieses Thema auch wieder ins Bewusstsein der hiesigen Bevölkerung und Mandatsträger gerückt ist. Solange keine Behinderungen für die Öffentlichkeit spürbar waren, wurde dies kaum zur Kenntnis genommen. Dass das Land Tirol mit der Strecke zum Brenner ein Verkehrsproblem hat, steht außer Frage. Der politische Druck, der mit der Blockabfertigung aufgebaut werden soll, wird auf dem Rücken des Fahrpersonals und der dahinterstehenden Speditionen ausgetragen. Ich möchte anmerken, dass, wenn man zwölf bis 24 Stunden auf der Autobahn im Stau steht, abgeschnitten von sanitären und gastronomischen Einrichtungen ist. Der Job des Lkw-Fahrers ist sowieso nicht hoch angesehen. Hier wird ein unmenschlicher Zustand weiter zementiert. Vonseiten des Tiroler Landeshauptmannes Herrn Platter werden immer die Verkehrssicherheit und Umweltaspekte als Hauptargument angeführt. Dieses Argument wird mit den Auswirkungen auf bayerischer Seite ad absurdum geführt. Es ist an der Zeit, dass diese staatlich verordnete Nötigung seitens des Landes Tirol von EU und Bundesregierung klar sanktioniert wird!

Franz Baierl

Forsting

Die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig beschreibt die Zustände als unhaltbar und katastrophal und fordert ihre Parteikollegen Andreas Scheuer und Kerstin Schreyer zu sofortigen Gesprächen mit der Tiroler Landesregierung auf. Um wirklich festzustellen, was hier wirklich unhaltbar ist, empfehle ich den „Dreien“ einmal an einem schönen Wintertag einen Ausflug auf einen das Inntal begrenzenden Berg zu unternehmen. Ich habe zwischen 1980 und 2020 viele Skitouren auf diese Berge gemacht und war damals schon entsetzt über die Luftverschmutzung. Oben eine glasklare Luft, unten eine rund 150 Meter hohe rostrote bis braune Brühe, die man nicht mehr als Luft bezeichnen kann. Uns (Tourengeher) ist deutlich geworden, dass die Menschen, die hier leben, gesundheitlich schwer geschädigt werden. Das Inntal ist wie ein Schlauch, in dem die Abgase sich unten konzentrieren und nicht verblasen werden können wie in der Ebene. Eigentlich müssten die Tiroler Politiker den Schwerlastverkehr total sperren, um die Gesundheit ihrer Bürger zu schützen. Was machen wir? Wir verhindern den Bau der Schienentrasse um den Schwerlastverkehr auf die Schiene zu verlagern, während der Verkehr immer mehr wird. Frau Ludwig, denken Sie überhaupt nicht an die Gesundheit unserer Nachbarn, die durch den immer mehr werdenden Verkehr noch mehr geschädigt werden? Interessieren Sie nur die Transportunternehmer, die rascher wachsen als unser Verkehrssystem wächst und verkraften kann?

Werner Schönauer

Rosenheim

Es ist immer wieder amüsant für mich, wie reflexartig und wenig differenziert die Reaktion der heimischen Politiker ausfällt, in diesem Fall die der im Artikel zitierten Inntalbürgermeister. Einzig der Flintsbacher Lederwascher, der ein kleines bisserl über den Tellerrand hinausschaut und erkennt, dass die Tiroler Aktionen bezüglich Lkw-Verkehr auch etwas mit dem bayerischen Inntal zu tun haben. Die einzigen Verbündeten, die wir haben, sind die Tiroler. Egal, welcher Farbe ein deutscher oder bayerischer Politiker angehört, die Verkehrssituation im Inntal, speziell der Lkw-Verkehr, ist ihm wurscht. Man will uns auch den Brennerbasistunnel inklusive Zulaufstrecke als Allheilmittel verkaufen, verschweigt aber, dass maximal ein Drittel des Lkw-Verkehrs damit zu reduzieren wäre. Sofern man die Lkw auf die Schiene zwingen würde, aber die Politik ist ja nicht einmal willens, den Umwegeverkehr über den Brenner per hoher Maut abzuwehren. Das restliche Drittel ist Ziel- und Quellverkehr, bleibt uns also sowieso, vom Pkw-Verkehr brauchen wir da gar nicht zu sprechen. Hier allerdings vergießen die Tiroler so manche Krokodilsträne, den generieren sie, speziell im Winter, zum größten Teil selber. Darüber hinaus habe ich noch nichts darüber gehört oder gelesen, dass automatisch mit der Lkw-Blockabfertigung der Tiroler die Einreise aus Tirol nach Bayern auf der Autobahn durch das Schließen einer Spur an der Grenze behindert wird, was zum Teil Staus auf Tiroler Seite bis Kirchbichl hervorruft. Behindert werden dadurch vor allem Pendler und Urlaubsreisende sowie natürlich der Lkw-Verkehr. Da kann sich auch unsere tüchtige Frau Ludwig noch so aufregen. Wegen mir kann jeden Tag Lkw-Blockabfertigung mit Stau bis Hamburg sein, wenn unsere örtlichen Politiker diesbezüglich schon keinen Arsch in der Hose haben, dann müssen es halt unsere Tiroler Spezln reißen.

Harald Kaiser

Raubling

Kommentare