Blamable Korruption

Zum Bericht „Transparency prangert Korruption auch in EU-Staaten an“ im Wirtschaftsteil:

Fragt man den gutgläu bigen Durchschnittsbürger nach dem Korruptionsverhalten der Deutschen, so bezeichnet er unser Land möglicherweise ernsthaft als vorbildlich. Die Wahrheit allerdings sieht ein wenig anders aus: Die Bundesrepublik erreichte wie im Vorjahr 80 von 100 Punkten. Im Weltvergleich bedeutet es Rang acht, deutlich hinter den Siegern Dänemark und Neuseeland. Für unsere Demokratie und Wirtschaft keineswegs ein Ruhmesblatt, sondern eine Blamage und Schande für die Gesellschaft. Dabei werden viele Varianten der Korruption gar nicht als solche betrachtet. Bestechlich ist man ja angeblich nur, wenn man für eine verbotene Gefälligkeit eine materielle Gegenleistung erhält. Dabei interessiert den Bürger doch grundsätzlich: Trifft eine Behörde oder Politiker eine Entscheidung um der Sache willen oder unter eigen nützigen Gesichtspunkten. Nimmt man nun noch die zahlreichen Möglichkeiten der Korruptionsverschleierung dazu, vom überbezahlten „Gastvortrag“ und Beratervertrag über ein USA-Studium für den Sohn bis hin zum Versprechen eines Traumjobs nach der aktiven Politikerlaufbahn – so brauchen sich aus strafrechtlicher Sicht unsere Volksvertreter also keinerlei Hemmungen auferlegen. Und man ahnt: Noch zahlreicher als die Wege nach Rom sind die Wege des Einflusses der Wirtschaft auf die Politik. Kein Wunder also, dass man die Wirtschaft als Koch und die Politik als Kellner betrachtet. In Wahrheit grenzt der angebliche Kampf des Staates gegen Korruption eher an Beihilfe zur Steuerhinterziehung.

Wenzel Schuster

Töging

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