Biokraftstoff E10 - Fluch oder Segen?

E10 - seit seiner Einführung umstritten. Foto dpa
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E10 - seit seiner Einführung umstritten. Foto dpa

Zum Bio-Kraftstoff (Berichte im politischen Teil):

In weiten Teilen der USA herrscht eine katastrophale Dürre, anderswo haben Stürme, Brände und andere Naturgewalten ihre Spuren hinterlassen. Große Teile der erhofften Ernte wurden bereits vernichtet. Der Preis für Mais und Getreide steigt ins Unermessliche. Weil nicht mehr genug Futter vorhanden ist, schlachten Farmer Millionen Nutztiere. Auch die weltweite Ernährung wird durch die Krise bedroht. Das "Problem Hunger" erlebt deswegen einen "Aufschwung". Dennoch wandelt man auch heuer wieder Millionen Tonnen Nahrungsmittel in Ethanol-Kraftstoff für Autos um. Bereits die Hälfte der weltweiten Maisernte wird in den USA erzeugt. Davon landen große Teile als Ethanol-Treibstoff im Kraftfahrzeugtank. Maiskörner, aber auch Getreide wie Weizen, werden vergoren, der entstehende Alkohol destilliert. Als Agrosprit wird er dem Benzin- und Superkraftstoff beigemischt. Damit stehen diese Lebensmittel der Ernährungskette nicht mehr zur Verfügung. Obwohl Pflanzentreibstoff keine positiven Wirkungen auf die Umwelt haben soll, wird er von Regierungen mit vielen Milliarden subventioniert. Dies scheint nicht gerade sinnvoll zu sein. Es wäre wohl wesentlich wirkungsvoller, mit den "Früchten der Erde" leere Mägen zu füllen.

Peter Fuchs

Hörsching

Die Weltgetreideernte (ohne Reis) ist in den vergangenen 20 Jahren von 1,4 Milliarden Tonnen auf jetzt 1,8 Milliarden Tonnen gestiegen. Seit etwa 2005 fiel der Anstieg stärker aus, er hat damit den neu hinzugekommenen Ethanolanteil aufgefangen. Von den zuletzt 150 Millionen Tonnen Ethanolgetreide können 40 Prozent sofort wieder dort eingebucht werden, was die Hälfte der Weltgetreideernte ohnehin ist: Tierfutter. In der Ethanoldebatte wird das Koppelprodukt Eiweißfuttermittel leider regelmäßig vergessen. Damit erzeugen die Landwirte Milch, Fleisch und Eier. Ethanol ist eine Nahrungs-Mobilitäts-Koppelung mit hoher Effizienz. Übrigens enthalten Biokraftstoffe keine Pflanzennährstoffe. Diese gehen bei der Verarbeitung in das Futter über und von dort über den Tiermagen fast vollständig auf die Anbauflächen zurück. Was jetzt in der Bilanz der Pflanzennährstoffe noch fehlt, bekommen wir Menschen über Milch, Fleisch und Eier. Reis, mit 500 Millionen Tonnen ein wichtiges Ernährungsprodukt, geht weder in Tiermägen noch in Kraftstoffethanol. Dazu ist er zu teuer. Wenn Menschen hungern, dann liegt es an deren Armut und an Verteilungsungerechtigkeit, aber nicht an fehlendem Getreide.

Dr. Rupert Schäfer

St. Wolfgang

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