Bewährtes Prinzip der US-Politik

Zum Artikel „Trump ermunterte Ukraine zu Ermittlungen gegen Joe Biden“ (Weltspiegel):

Der Unglücksbote wird „erschlagen“, der Verursacher des Unglücks bleibt ungeschoren: offenbar ein bewährtes Prinzip der US-amerikanischen Politik. Man erinnere sich an Abu Ghuraib, wo irakische Gefangene vom amerikanischen Wachpersonal gefoltert wurden. Die Bemühungen der US-Politik gingen weniger dahin, die Schuldigen zu bestrafen und zu verhindern, dass sich so etwas wiederholt. Es ging eher darum, in Zukunft dafür zu sorgen, dass so etwas, wenn es schon passiert, ja nicht fotografiert, gefilmt oder sonst wie dokumentiert wird.

Als im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 brisante E-Mail-Korrespondenzen von Hillary Clinton bekannt wurden, hätte die veröffentlichte Meinung eigentlich sagen müssen: „Hoppla, das sieht ja danach aus, dass die Präsidentschaftskandidatin in einige Schweinereien verwickelt ist. Überprüfen wir mal, was da dran ist.“ Anstatt dessen schossen sich (fast) alle Berichterstatter auf die Frage ein: „Welcher Hochverräter hat denn das gehackt? Waren das am Ende gar Russen?“

Ähnlich läuft es auch jetzt, bei der sogenannten Ukraine-Affäre. Sicherlich, wenn Präsident Trump Ermittlungen ausgerechnet gegen die Familie seines mutmaßlich schärfsten Konkurrenten bei der nächsten Wahl anregt, hat das ein mehr als übles „Gschmäckle“. Aber wenn alle Mitglieder der Familie Biden ein reines Gewissen hätten, gäbe es dann für die Demokraten einen Grund, derart scharf zurückzuschießen?

Wie schade für Heinz-Christian Strache, dass er ein österreichischer Rechtsaußen und kein US-Demokrat ist. Dann hätte es nach der Ibiza-Affäre geheißen: „Welche üblen Elemente haben denn da einem solch unbescholtenen Politiker eine derart gemeine Falle gestellt?“

Bernhard Edlmann

Raubling

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