Ein Beleg für die Lebendigkeit der bairischen Sprache

Zum Artikel „Wo die Zahnärztin die ‚Fotznspanglerin‘ ist“ (Bayernteil):

Eine kleine Korrektur: Nicht nur der „Fotzenspangler“ (Zahnarzt), sondern auch der „Hendlfriedhof“ (dicker Bauch, Wampe) sind laut dem Lexikon „bairisches Deutsch“ von Ludwig Zehetner sowohl als umgangssprachlich als auch als scherzhaft deklariert. Den „Hendlfriedhof“ daher als „pseudobairisches Wortgebilde“ zu bezeichnen, ist daher nicht in Ordnung. Beide Begriffe sind originell und sind zugleich ein Beleg für die Lebendigkeit der bairischen Sprache in zweierlei Hinsicht: Bairisch ist stets überaus plastisch, ja drastisch in seiner Ausdrucksweise gewesen und, noch wichtiger, dank dieser Neubildungen steht fest: Bairisch lebt! Ein schönes, aber viel älteres Beispiel für die ebenso lustige wie zutreffende Art der Namensgebung im Bairischen ist der Begriff für die „Pansflöte“ (im 19. Jahrhundert) und die „Mundharmonika“: Der „Fotzhobel“! Das Bestimmungswort leitet sich hier übrigens nicht von der weiblichen „Fotzn“, sondern vom männlichen „Fotz“ her, dem Wort für das Maul von Tieren und dem Mund für Menschen, Letzteres übrigens hier ohne verächtlichen Unterton.

Armin Höfer

München

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