Belarus: Wunsch nach Freiheit nur verständlich

Zur Berichterstattung über die Demonstrationen in Belarus (Politik/Leserbriefe):

Wie kann der Leserbriefautor Herr Oberberger behaupten, dass Belarus noch nicht reif für die Demokratie sei? War er schon einmal in Belarus? Ich war vor zwei Jahren für zwei Wochen in Belarus an einer Mittelschule und habe dort Deutsch und Englisch unterrichtet. Meine Eindrücke: respektvolle, ordentlich gekleidete Schülerinnen und Schüler und liebenswerte, bestens ausgebildete Kollegen. Für politische Gespräche wurde ich – aus Sicherheitsgründen – in einen öffentlichen Park gebeten, weil alle Gebäude „verwanzt“ sind. Lukaschenko überall! Auch abends am Fernseher sitzt er mit seiner Ministerriege im Studio und beschimpft einzelne Minister wie kleine Schulbuben.

Ist es da nicht verständlich, dass sich diese Menschen nach Freiheit sehnen? Haben Sie die Oppositionspolitikerinnen gesehen, die sich anstelle ihrer eingesperrten Männer vor die Demonstranten stellten und moderat ihre Forderungen zu Gehör brachten? Und diesen aufgeklärten Menschen wollen Sie die Fähigkeit zum demokratischen Handeln absprechen und mit Uganda und Nigeria in einen Topf werfen? Mann sollte sich besser informieren, bevor man zu so unqualifizierten Urteilen kommt.

Hermann Bredenkamp

Schönberg

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