Die beiden großen Flugzeugbauer in der Krise

Zur aktuellen Situation der Flugzeugbauer Boeing und Airbus (Berichte im Politik- und Wirtschaftsteil):

Der Stellenabbau in der Luftfahrtindustrie wird große Konsequenzen nach sich ziehen. Aufgabe der Politik ist es, diese entsprechend zu steuern. Die Massenfliegerei war eine ebenso schädliche Fehlentwicklung wie diejenige der immer schwereren und größeren Autos, bei denen man zwei Tonnen durch die Gegend schleppt unter enormer Belastung für die Umwelt, um 70 bis 80 Kilogramm Mensch zu transportieren. Schuld da ran ist zum größten Teil einerseits die Gier der Menschen und andererseits das unüberlegte Geschwafel der Betriebswirte von der Notwendigkeit eines andauernden Wachstums unter Inkaufnahme von Ressourcenverbrauch, Umweltzerstörung, Vergiftung und Unbewohnbarmachung der Landfläche. Ich war entsetzt, als ich gestern Morgen zum Himmel schaute und statt eines wunderschönen blauen Himmels mit einzelnen Schäfchenwolken wieder ein von Kondensstreifen durchfurchtes Firmament sah. Es darf wieder zerstört werden, was uns am Leben hält! Was jetzt gefragt ist, ist doch ein Umdenken, eine Rückkehr zur Weisheit der Bäume, die nicht so dumm sind wie Wirtschaftler und an ein unbegrenztes Wachstum glauben, sondern irgendwann einfach nicht mehr größer werden. Ein Umdenken in Richtung sozialer Ausgleich, beispielsweise entsprechende Gehälter wie in der Luftfahrtbranche üblich ab jetzt für Pflegekräfte, Lieferanten, Bahnpersonal, Verkäufer und andere Dienstleister, die unsere Gesellschaft aufrechterhalten und lebenswert machen. Schon wäre die Sorge überflüssig, die Kaufkraft könnte nachlassen. Der Luftfahrt weine ich keine Träne nach. Möge sie als einer der großen Irrtümer der Menschheit in Frieden auf ein verträgliches Maß des unbedingt Notwendigen schrumpfen.

Kurt Schulz

Rosenheim

Das derzeitige Flugverbot für die Boeing 737 Max ergab sich aufgrund der zwei Abstürze mit insgesamt 346 Toten – verursacht durch die Steuerungs-Software (MCAS). Der Hintergrund ist: Boeing bastelte aus seiner 737 eine größere Maschine mit weniger Spritverbrauch. So wurden Entwicklungskosten gespart. Dieses neue Flugzeug ist jedoch ohne die Steuerungs-Software zu gefährlich zum Fliegen. Und die Steuerungs-Software hat ihre Macken. Die US-Luftfahrtaufsicht FAA war bei der ursprünglichen Zertifizierung „großzügig“: Nach Hinweis eines Opfer-Anwalts hat die FAA schriftlich festgehalten, dass es zu weiteren 15 Abstürzen kommen dürfte, wenn die 737 Max die geplanten 45 Jahre weltweit genutzt wird. Aufgrund des öffentlichen Drucks gibt es jetzt eine Neu-Zertifizierung, bei der die FAA nicht mehr wegschauen wird können. Der Haken ist jedoch immer noch: Ehemalige Boeing-Mitarbeiter weisen daraufhin, dass bei Boeing seit acht Jahren durch eine rigide Sparpolitik die Qualität und die Sicherheit der Flugzeuge nicht mehr im Vordergrund stehe: Nach ihren Angaben werden Teile von Zulieferern eingebaut, die den Vorgaben nicht entsprechen. Und diese Mängel beträfen verschiedene Modelle, wie auch den Dreamliner. Es dürfte um über 800 Flugzeuge der vergangenen Jahre gehen. Die Daumenregel sei „zehn Jahre“, bis sich solche Qualitätsmängel richtig auswirken. Seit 2012 werden Flugzeuge mit solchen Mängeln produziert. Sprich, in den kommenden Jahren sei mit weiteren Unfällen zu rechnen. Denn, müsste Boeing diese Mängel beheben, dürfte das extrem teuer für die jetzt schon angeschlagene Firma werden.

Jürgen Böhm

Kolbermoor

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