Ein bayernweites Gesamtkonzept ist nötig

Zum Artikel „Das Oberland-Netz wird elektrisch“ (Bayernteil):

Es ist zu begrüßen, dass die von der BOB bedienten Strecken mit den Kursnummern 955, 956/957 nun einer vollständigen Elektrifizierung unterzogen werden sollen, was auch zeigt, dass selbst in Bayern hin und wieder technischer Fortschritt im ÖPNV und SPNV möglich ist, ist nur eine prominente Stimmkreis-Kandidatin der CSU vorhanden, die die Zeichen der Zeit erkannt hat. Dennoch hat Bayern aufzuholen: Wir sind im Erreichbarkeits-Ranking von Bus und Bahn gerade mal auf dem vorletzten Platz aller 16 Bundesländer, fünf bayerische Landkreise bilden bundesweit das Schlusslicht. Grund zur Euphorie gibt es auch beim Elektrifizierungsfortschritt von Bahnstrecken in Bayern nicht wirklich. Von knapp 6900 Kilometern Strecke ist fast die Hälfte nicht elektrifiziert und zahlreiche Strecken sind eingleisig. Es sollte von einem verhältnismäßig reichen Flächenland wie Bayern nicht allzu viel verlangt sein, dass wir auch angesichts des Klimawandels ambitionierter im Schienenverkehr werden, den peinlichen Rückstand gegenüber Baden-Württemberg auch in der Tarifgestaltung und Neubeschaffung von Rollmaterial schnellstmöglich aufholen und auch überfällige Ausweichstrecken und neue Kapazitäten für Güterverkehre und Taktverdichtungen im Personenverkehr schaffen: Weg vom Stundentakt, hin zum Halbstundentakt. Was wir brauchen, ist ein bayernweites Gesamtkonzept für die Schiene, das über die derzeitigen vereinzelten Vorhaben deutlich hinausgeht. Es bleibt zu hoffen, dass Herr Reichhart den mehrgleisigen Ausbau und die Elektrifizierung dort voranbringt, wo es dringend angebracht ist und abgehängte Ortschaften sich nicht erst auf die Initiative von prominenten Stimmkreiskandidaten verlassen müssen.

Jan Parizek

Rott am Inn

Kommentare