Bauerntheater ist Brauchtumspflege

Zum Bericht „Eigenständig unter Zwang – Finanzamt spricht Stephanskirchner Laientheater Gemeinnützigkeit ab“ im Regionalteil:

Der Artikel hat mich in weiten Teilen sehr irritiert. Da ist die Rede davon, dass der Laientheatergruppe, die der Jungbauernschaft Stephanskirchen angeschlossen ist, die Gemeinnützigkeit aberkannt wurde. Der Verein hatte Nachzahlungen in Höhe von 3000 Euro (Körperschaftssteuer) und 1300 Euro (Gewerbesteuer) zu leisten. Grund sei, dass das Theaterspielen weder der (bayerischen) Brauchtumspflege noch dem (bayerischen) Kulturerhalt diene und somit durch die Satzung der Jungbauernschaft nicht gedeckt sei. Laientheater fiele unter den Begriff „Kunst“. Ich bin da gänzlich anderer Meinung. Es gibt in unserer Region zahlreiche Theatergruppen, die innerhalb von etwa Trachtenvereinen Bauerntheater spielen. Sie würden sich niemals anmaßen, in erster Linie „Kunst“ zu machen, sondern sie betreiben Brauchtumspflege in bester Manier. Wie auch das Laientheater der Jungbauernschaft Stephanskirchen, das seit vielen Jahrzehnten den Brauch pflegt, volkstümliche, oft bayerisch-historische und unterhaltsame Stücke auf die Bühne zu bringen. Das dient explizit dem bayerischen Kulturerhalt. Zudem fördert es den inneren Zusammenhalt der Theaterspieler wie den mit ihrem Publikum in den traditionellen Dorfgemeinschaften. Ich fürchte, dass die Definition des Finanzamtes Rosenheim, was „Kunst“ und was „Brauchtum und Kulturerhalt“ sei, zu bitteren Konsequenzen bei vielen regionalen Volkstheaterensembles führen könnte. Sie müssten das Theaterspielen aus finanziellen Erwägungen aufgeben, weil sie qua ihrer Vereinssatzungen nicht der Brauchtumspflege dienten. Das wäre ausgesprochen bedauerlich!

Christoph Maier-Gehring

Kulturreferent des

Landkreises Rosenheim

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