Bankrotterklärung der freien Marktwirtschaft

Zu „Diehl streicht 1400 Stellen“ (Wirtschaftsteil):

Aus dem Wort „Zulieferer“ geht schon hervor, dass diese einem Endprodukt „zuliefern“. Sie haben gar keine Wahl, das zu liefern, was ihre Kunden fordern. Je mehr Teile die Industrie auslagert, umso weniger Risiko trägt sie. Dieses verlagert sich in Form von sehr teurem Anlagevermögen auf die Zulieferer, die nun eingezwängt sind zwischen Abschreibung, teurem Anlagevermögen, Produktvorschriften und konkurrenzfähigen Niedrigstpreisen.

Die Symbiose zwischen Industrie und ihrer Zulieferer hat auf Vertrauensbasis bisher funktioniert, das oben beschriebene Risiko einzugehen. Verzockt haben sich die Zulieferer vielleicht, indem sie nicht so dumm gedacht haben, wie Politiker entscheiden können, und nicht rechtzeitig das Land verlassen haben. Sie sind jetzt auf dem Weg in den großen Teil der Welt umzuziehen, in dem die fragwürdigen Richtlinien der EU nicht gelten.

Im Angesicht der Wasserstoffkeule wird die Stahlindustrie ihnen alsbald folgen. Mit der permanenten Drohung allerdings in Billiglohnländer abzuwandern, kommen die Markt-Wirtschafter erst recht in Teufels Küche – vor allem, wenn sie mit der Verlegung in Ostländer argumentieren. Und Überraschung: Seit deren EU-Beitritt schwimmen die Länder in EU-Fördermitteln.

Deutsche Arbeitnehmer als Steuerzahler finanzieren also per EU-Fördermittel ihren Verlust von Arbeitsplätzen. Das Ganze ist eine neuerliche Bankrotterklärung der freien Marktwirtschaft, die angeblich am besten dann funktioniert, wenn sich der Staat nicht einmischt und noch öfter und unverschämter nach Staatsgeldern ruft.

Wenzel Schuster

Töging

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