Wie am Ballermann

Zum Artikel „So feiert München den Corona-Sommer“ (Blickpunkt-Seite):

Wir gehen brav mit der lästigen Maske im Gesicht einkaufen und halten Abstände ein, weil wir eingesehen haben, dass gegen die Ausbreitung der Pandemie nur Disziplin hilft. Ich habe Verständnis dafür, dass sich junge und nicht so junge Leute nach Vor-Corona-Zeiten zurücksehnen. Das tue ich auch. Doch fragt man sich angesichts der Bilder von den Ballermann-ähnlichen Zuständen etwa am Gärtnerplatz in München: Wo endet das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und wo fängt die Rücksichtslosigkeit gegenüber den Mitmenschen an?

Der 23-jährige junge Mann, der in dem Artikel als Rechtsanwalt vorgestellt wird, müsste als angeblicher Jurist eigentlich wissen, dass die Grenze in der Schädigung des anderen liegt. Da runter ist sicher nicht „nur“ die durch Unvernunft wieder steigende Infektionsgefahr zu verstehen. „Die Anwohner sollen sich entspannen. Wir wollen hier doch nur in Ruhe feiern.“ So wird junge Mann zitiert. Wie arrogant und dumm ist das denn? „In Ruhe“ feiern? Die Mieterin in der Cornelius straße und viele andere Anwohner können sich wegen des Lärms, der an dem beschriebenen Tag bis 1.30 Uhr andauerte, sicher nicht entspannen, geschweige denn schlafen. Und Menschen, die nach Einbruch der Dunkelheit den Gärtnerplatz und die angrenzenden Straßen betreten müssen, können das fast nicht tun, ohne in flüssige, feste oder halbfeste Hinterlassenschaften der „Feiernden“ oder Glasscherben zu treten.

Wer bezahlt die täglich notwendige Beseitigung der Kotze und der Fäkalien? Und die Polizeieinsätze? Wahrscheinlich mit ihren Steuern eher die Geschädigten, die trotz nächtlichen Lärms oft früh aufstehen müssen, als die Verursacher… Herr, lass Hirn regnen!

Angelika GrafRosenheim

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