Auseinandersetzung um den Brennerbasistunnel

Zum Bericht ",Wir glauben an Schiene vor Straße'" in der Osterbeilage:

So positiv, wie die Befürworter von Brenner-Basistunnel und neuen Zulaufstrecken die Sachlage darstellen, ist sie bei Weitem nicht. Es ist keinesfalls sicher, ob das Projekt, dessen Hauptbauphase erst 2016 beginnen soll und dann vermutlich 20 Jahre dauern wird, wegen der immensen Kosten von etwa 40 Milliarden Euro realisiert werden kann. Auch auf Deutschland kämen über den Beitrag der EU und die Zulaufstrecke hohe Summen zu. Der Versuch der privaten Finanzierung ist ja gescheitert. Weil Österreich und Italien "schwächeln", soll nun der EU-Anteil erhöht werden. Der Tunnel würde nicht den bestehenden Autobahn-Güterverkehr, sondern allenfalls prognostizierte Zuwächse aufnehmen; es würden also neue Transportkapazitäten für Güter geschaffen, die auch durch das Inntal müssen. Es ist fraglich, ob dafür eine neue Bahntrasse gebaut wird, wie sie die Befürworter herbei sehnen - die bestehende Strecke im Inntal hat noch große freie Kapazitäten. Auch im österreichischen Unterinntal wurde erst bei einer deutlich höheren Belastung durch den Ost-West-Verkehr und den Regionalverkehr neu gebaut. Wer die Streckenführung "sensibel" ausführen will, redet die Zerstörung von Natur und menschlichem Lebensraum wieder mal schön. Wäre es nicht besser, sich von dem Projekt schleunigst zu verabschieden und gleich sinnvolle Lenkungsmaßnahmen einzuführen? Der Warentransit auf der Brenner-Achse hat in den letzten Jahrzehnten mehr als doppelt so stark zugenommen wie im gesamten Alpenraum. Das hat einfache Gründe, wie zum Beispiel die günstige Maut und die niedrigen Kraftstoffpreise in Österreich. Lenkungsmaßnahmen wie die Angleichung von Maut und Dieselsteuer sowie eine Alpen-Transitbörse führen sofort zu einer Vermeidung unnötigen Verkehrs und zu einer gerechten und effizienten Verteilung des verbleibenden Verkehrs.

Dr. Monika Fehr-Czischke

Bund Naturschutz

Rosenheim

Mit Ausnahme Rosenheims (Schnellzüge) halten weder Güter- noch Schnellzüge in einem Landkreisort. Deshalb müssten sie bei einer Neubaustrecke nicht durchfahren. Grundstücke in der Filze und autobahnparallel sind billiger als mitten in Fremdenverkehrsorten, außerdem weniger von "Anti-Bahn-Bellos" besiedelt. Die Bahn hat die notwendige Güterzug-(Tempo 100)-Rollbahn geschickt als Tempo-230-Strecke getarnt. Nehmen wir sie beim Wort. Bei 230 km/h beträgt der Kurvenradius etwa 2200 Meter, mit den Aus- und Einleitungsbögen rund 3000 Meter. Mein Vorschlag: Landratsamt und Anliegergemeinden lassen einen ihrer Technischen Zeichner passend zu einer Karte 1:25000 Kurvenschablonen für drei Kilometer Radius erstellen. Daraus und aus geraden Strecken lassen sich auf der Karte mögliche Trassierungen finden, auch ein Ort für den Hochleistungs-Güterbahnhof (westlich Großkaro, Autobahn bei Anschluss Westumgehung oder Reischenhart?). Anschließend öffentliche Diskussion und ab mit den Herren Bürgermeistern ins Konklave. Nicht auf die Bahn warten, sondern selbst die Initiative ergreifen!

Konrad Nigg

Rosenheim

Kommentare