Aus für „Nordstream2“ wäre ein Fehler

Zur Berichterstattung über die Vergiftung von Kremlkritiker Nawalny (Politik/Leserbriefe):

Die Vergiftung des russischen Regimekritikers ist eine schändliche Tat. Ja, man könnte Putin damit belasten, aber das ist zurzeit nur eine Spekulation. Aufgrund von Spekulationen, die sich auch als falsch herausstellen können, trifft man keine so gravierende wirtschaftliche Entscheidung wie den Stopp des Baus von Nordstream 2, die nahezu fertiggestellt ist. Der wirtschaftliche Schaden für Deutschland wäre höher als der zusätzliche Einnahmeausfall für Russland.

Bis Ende 2022 werden unsere restlichen sieben Kernkraftwerke abgeschaltet, wodurch eine Stromkapazität von 7 Gigawatt Grundlastenergie entfällt. Zusätzlich sollen etwas später weitere Braunkohlekraftwerke vom Netz gehen. Dafür muss nahtlos Ersatz geschaffen werden und das sind nicht die wetterabhängigen erneuerbaren Energien ohne Speicher, sondern regelbare Gaskraftwerke. Der zusätzliche Gasbedarf übersteigt unsere derzeitige Importkapazität, außer man möchte als Alternative Donald Trumps noch umweltschädlicheres Fracking-Gas kaufen, das wegen der Verflüssigung und dem Schiffstransport deutlich teurer ist.

Wer also auf einen Verdacht hin ein derartiges wirtschaftliches Milliardenprojekt abblasen will und unserer Wirtschaft danach einen Milliardenschaden hinterlässt und zudem ab 2023 noch einen Blackout riskiert, der wäre abgrundtief dumm und zudem unverantwortlich. Unsere Kanzlerin hat viele Fehler gemacht, aber Nord stream 2 wegen eines Anschlags auf einen Regimekritiker jetzt zu stoppen, wäre nach der Grenzöffnung 2015 ihr größter Fehler – und den traue ich ihr nicht zu.

Als Journalist kann man sich aufs hohe moralische Ross setzen und ungestraft Unsinn fordern, der unserem Land schadet. Man riskiert aber dabei sich den Vorwurf der fehlenden Wirtschaftskompetenz einzuhandeln.

Herbert Sax

Großkarolinenfeld

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