Aufstand fand nicht statt

Zu „Aufstand der Münchner Wissenschaftler“ (Bayernteil):

Aufstände sind in den Nachrichten offenbar en vogue. Ein Medizinhistoriker versucht sogar einen Spagat. Den einen Fuß verankert er vor 150 Jahren im ersten vatikanischen Konzil, den anderen in den ersten fünf Monaten 2020 in den wissenschaftlichen Meinungen zur Corona-Krise. Die Unfehlbarkeit des Papstes hat ihn erregt und er glaubt, dem damaligen Papst Benedikt IX. und der Kirche nachweisen zu müssen, dass dieses Thema des Konzils nur durch den „heldenhaften“ Aufstand einiger Münchner Professoren – ein paar rheinische, amerikanische und französische Opponenten hat er offenbar gar nicht gekannt – abgemildert werden konnte. Dass sich rund 80 Prozent der damaligen Bischöfe der Weltkirche für die Formulierung der Unfehlbarkeit des Papstes aussprachen, weiß der Professor nicht oder er möchte desinformieren. Locher übersieht in seiner einseitigen Aufstandslegende, dass der Gedanke der Unfehlbarkeit des Papstes bereits seit 500 bis 600 Jahren im Raum stand und ohne Dogma als gegeben angenommen wurde.

Dessen Inhalt – unfehlbar ist der Papst unter drei Vo raussetzungen: wenn er „ex cathedra“, in Ausübung seines Amtes als Hirte und Lehrer aller Christen, spricht; wenn er es kraft seiner höchsten apostolischen Autorität tut; wenn er eine Glaubens- oder Sittenlehre verkündet, die von der ganzen Kirche festzuhalten sei – wird dabei völlig unterschlagen. Der Schwenk zu Corona ist nur durch Unordnung auf dem Schreibtisch des Medizingeschichtenforschers nachzuvollziehen.

Dr. Stephan Maria Hitzel

Raubling

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