Artensterben: Weit nach zwölf

Auch bienenfreundliche Blühflächen werden den rapiden Artenschwund nicht aufhalten können. dpa
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Auch bienenfreundliche Blühflächen werden den rapiden Artenschwund nicht aufhalten können. dpa

Zum Bericht „Bleiben Bauern auf Blühflächen sitzen?“ (Lokalteil):

Offensichtlich hat weder der Bayerische Bauernverband, geschweige denn Kreisobmann Uli Niederschweiberer aus Mühldorf, den Ernst der Sachlage begriffen. Ein paar Hektar „Blühflächen“ werden den Niedergang unserer Artenvielfalt nicht aufhalten oder abmildern können. Auch brauchen sich „Blühflächenanbieter“ ob der mäßigen Nachfrage nicht wundern, ist der veranschlagte Preis für diese Patenschaften doch horrend hoch angesetzt. Wer sich die Mühe macht, diese angebotene Patenschaft durchzurechnen, wird feststellen, dass für den „Blühflächen-Betreiber“ stolze 4500 Euro pro Jahr und Hektar zu erzielen sind. Konnte man vor 50 Jahren beim Blick auf den gefüllten Getreideerntewagen die Körner von Hafer, Gerste und Weizen vor lauter mit aufgenommenen Insekten und Käfern fast nicht sehen, so muss man heute „mitgeerntete“ Insekten einzeln mit der Lupe suchen. Einen Regenwurm oder Käfer beim Aufstechen der versiegelten Bodenkrume in einem Maisfeld aufzuspüren ist unmöglich geworden. Konnten wir uns vor 40, 50 Jahren bei uns noch in großer Anzahl am Anblick von Rebhühnern, Feldlerchen, Ammern, Kiebitzen und dergleichen erfreuen, so werden unsere Enkel vermutlich auch den Spatz nur noch vom Bilderbuch oder PC kennenlernen. Solange diese praktisch biologisch „toten“ Maisplantagen in alles überlagernder Monokultur betrieben werden, jedes sonstige Kräutlein mit Unmengen an Herbiziden und Fungiziden vernichtet und der letzte Käfer mit Insektizid umgebracht wird, kann sich nichts ändern. Es ist nicht fünf vor, sondern schon weit nach zwölf. Und nein, ich bin keine Großstadtbewohnerin, auch keine militante Naturschützerin, ich bin in einer kleinen bäuerlichen Landwirtschaft aufgewachsen, lebe auf dem Land und nehme täglich wahr, wie die Natur landstrichweise stirbt.

Yara Bachinger

Polling

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