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Antworten auf den Ursprung Gottes

Eine Frau fotografiert das Gemälde „Sixtinische Madonna“ von Raffael.
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Eine Frau fotografiert das Gemälde „Sixtinische Madonna“ von Raffael.

Zum Leserbrief „Die Schöpfung als Verschwörungstheorie“ (Leserbriefseite):

„Für Glauben braucht man Unwissenheit“. Bereits dieser Eingangssatz des Leserbriefs ist falsch gedacht. Denn „Glauben“ in einem religiösen oder weltanschaulichen Sinn bedeutet, überzeugt zu sein, etwas als objektiv gültig erkannt zu haben. „Arm im Geiste“, das Herr Nothaft mit unwissend gleichsetzt, bedeutet, von irdischen Anhänglichkeiten befreit, Gott im Geiste zu begegnen, da Gott im Geiste angebetet werden muss (Joh 4,24).

Um ihre Ablehnung gegen das Christentum aufrechtzuerhalten, verschanzen sich Glaubensgegner hinter Fik tionen, die sie den Christen als deren Glaubensüberzeugungen andichten. Eines dieser hartnäckig vorgetragenen Märchen ist die Wissenschaftsfeindlichkeit der Kirche. Das Gegenteil ist richtig. Erstens: Der Julianische Kalender wurde von Papst Gregor XIII. 1582 korrigiert. Zweitens: Es sind alles Christen, die Europa in Wissenschaft, Kunst und Kultur bis in die Neuzeit vorangebracht haben. Drittens: Bis zur Gründung der Universitäten war der geistliche Stand der einzige Wissenschaftsvermittler. Als Universalgelehrte gelten unter anderem Isidor von Sevilla, Hrabanus Maurus und Albert der Große. In späteren Jahrhunderten sind Johannes Keppler und Isaac Newton als religiöse Persönlichkeiten bekannt. Der 1988 seliggesprochene Däne Niels Stensen gilt als Begründer der wissenschaftlichen Paläontologie, Geologie und Kristallografie.

Die weiteren verunglimpfenden Bemerkungen des Leserbriefschreibers zu Bibel und Christentum entsprechen nicht der gebotenen Sachlichkeit in einer zivilisierten Gesellschaft und erinnern an die Worte des heiligen Paulus: „Gott lässt seiner nicht spotten; was der Mensch sät, wird er ernten“ (Gal 6,7).

Armin Rieble

Stephanskirchen

Dem Verschwörungstheoretiker ist alles Verschwörung. Herr Nothaft schreibt in seinem Leserbrief, die Bibel fordere Unwissenheit, und führt dafür zwei Stellen an, die das nach seiner Meinung beweisen.

Erstens: Matthäus 5,3: „Selig sind die Bettler um den Geist.“ Herr Nothaft weiß sicher, dass die Evangelien auf Altgriechisch geschrieben wurden. Im Altgriechischen gab es zwei Wörter, die mit „Geist“ übersetzt werden können: Den noos und das pneuma. „noos“ ist der Geist im Sinne von Verstand, Vernunft. „pneuma“ bedeutet Hauch oder Wind (wie bei „Pneumatik“). Es wird oft benutzt, um göttliche Eingebungen zu bezeichnen, die den Empfänger ergreifen wie ein Sturm. Bei Matthäus ist nicht vom noos, sondern vom pneuma die Rede. Die Bettler um den Geist sind einfach die gewöhnlichen Leute, die sich nicht minderwertig fühlen sollen gegenüber den Experten, welche meinen, von Amts wegen über den Geist Gottes zu verfügen und nicht erst um Erkenntnis bitten müssen.

Zweitens: Der Baum im Garten Eden mit den verbotenen Früchten: Hätte sich Herr Nothaft vor neun Jahren die Vorträge auf dem internationalen Fachkongress zur Forschung am Alten Testament angehört, dann hätte er gehört, dass „Kenntnis von Gut und Böse“ die Eigenschaft bezeichnet, durch die im alten Orient der König als geeignet für sein Amt und als den Göttern nahe Person galt. Im Alten Testament spielen 2. Samuel, 3,14, und 1. Könige, 3,9, darauf an. Das Verbot der Früchte in der Schöpfungsgeschichte bedeutet, dass der Schreiber das altorientalische Konzept des gottähnlichen Königs ablehnt. Abzulehnen, dass Menschen eine gottähnliche Stellung gegenüber ihren Mitmenschen anstreben (Stalin, Hitler, Mao), ist keine Forderung nach Unwissenheit. Herr Nothaft sollte sich in Sachen Unwissenheit an die eigene Nase fassen.

Klaus Wulff

Bad Aibling

Der Leserbrief des Herrn Nothaft kann nicht unwidersprochen bleiben; er wird wohl auch mit Gegenwind gerechnet haben. Er schreibt von einem „dreiteiligen Geistwesen“ und unterschlägt dabei völlig die Rolle der Jungfrau Maria als „vierte Gottheit“. Er hätte also richtigerweise von einem vierteiligen Geistwesen sprechen müssen. Also katholischer Vielgötterglaube statt des angeblichen Monotheismus (Judentum und Islam lehnen die Dreifaltigkeitslehre ab – wohlgemerkt geht es immer um den gleichen Gott).

Er spricht von Geisterglaube und unterschlägt dabei den Glauben an Engel und den Luzifer in der Hölle. Er unterschlägt die vielen Heiligen: Nahezu alle frühen Päpste sind irgendwann heiliggesprochen worden anstatt richtigerweise einem Kriegsverbrechertribunal unterzogen zu werden.

Nach unfehlbarer Konzilslehre behauptet die katholische Kirche, dass jeder Nicht-Katholik „dem ewigen Feuer verfällt.“ Jeder Anhänger einer missionierenden Religion darf einen Andersgläubigen straffrei töten. Das gilt für Katholiken, auch für Protestanten, ebenso für den Islam. Das heißt, dass Katholiken und Protestanten ei nander rein glaubensrechtlich töten dürfen. Allein, weil der jeweils andere den falschen Glauben hat. Die offizielle Kirche schweigt darüber natürlich. Und er unterschlägt, dass die Atheisten in Deutschland die größte „Glaubensgemeinschaft“ sind.

Horst Tidhalm

Waldkraiburg

„Der Tor sagt in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott“ (Psalm 53,1). Dieser Bibelspruch kam mir in den Sinn, als ich den Leserbrief von Jürgen Nothaft las. Dass die Werke der Schöpfung eine Intelligenz voraussetzen, die sie konzipiert hat, sagt einem der gesunde Menschenverstand. Kein Auto entsteht, ohne dass ein Konstrukteur es entworfen hat. Aber die technisch zum Teil hochkomplexen Lebewesen sollen durch die zufälligen Bewegungen der Materie entstanden sein.

In meinem Garten sehe ich immer gern den Katzen zu, und es wird mir jedesmal klar: Solch eine Katze ist ein rundes Meisterwerk. Zum Beispiel wenn sie einen Baum raufklettert: Sie muss vier Beine koordinieren, muss die Krallen richtig einsetzen, muss entscheiden, welchem Ast sie folgt. Das alles geschieht blitzschnell. Da braucht es schon eine ausgefeilte Software im Gehirn, um das zu leisten.

Ein absurder Gedanke, dass sich das aus Zufall entwickelt hat. Natürlich ist der biblische Schöpfungsbericht nicht wörtlich zu nehmen. Er schildert die Erschaffung der Welt in mythologischer Einkleidung. Wie es für die damaligen Menschen fassbar war. Deswegen muss man auch nicht annehmen, die Welt sei erst 6000 Jahre alt, wie es einem meist automatisch unterstellt wird, wenn man die Welterschaffung durch Gott anerkennt.

Die Aussagen der Wissenschaft über das Alter der Welt stellen kein Problem dar. Herr Nothaft wirft noch die Frage auf, wer denn Gott erschaffen habe. Gott ist der Urgrund allen Seins, er wurde nicht erschaffen, sondern existiert ohne Anfang, über der Zeit. Für uns ist das undurchschaubar. Aber wenn man es nicht akzeptiert, muss man die Frage beantworten: Warum existiert überhaupt etwas? Warum ist nicht Nichts? Herr Nothaft wird uns das sicher erklären können.

Dr. Josef Steininger

Feldkirchen-Westerham