Angst vor einem Raubbau an der Natur

Sichtbarer Protest: Anwohner der Region Rosenheim demonstrierten am 1. Juli 2019 in der Innenstadt gegen den Bau einer neuen Trasse für den Nordzulauf im bayerischen Inntal.
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Sichtbarer Protest: Anwohner der Region Rosenheim demonstrierten am 1. Juli 2019 in der Innenstadt gegen den Bau einer neuen Trasse für den Nordzulauf im bayerischen Inntal.

Zur Berichterstattung über den Brenner-Nordzulauf (Regionalteil):

Der von den Bahnplanern im Zuge des Raumordnungsverfahrens vorgelegte und allen Interessierten empfohlene Erläuterungsbericht zeigt auf, dass alle fünf Trassen einschließlich der Varianten mit zahlreichen Raumwiderständen behaftet sind. Die geologischen Verhältnisse machen weite Strecken der vorgesehenen Tunnel fraglich. Zahlreiche Gewässer-, Straßen- und Bahnstreckenkreuzungen erfordern erhebliche Kunstbauwerke, welche in der Landschaft dominant wirken werden, da viele davon nicht als Unterkreuzungen ausgeführt werden können usw. Ohne es vorwegnehmen zu wollen: Das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens kann keine uneingeschränkte positive Beurteilung ergeben. Für die Bahn spielt das keine Rolle – sie hat nachgewiesen, dass eine Neubautrasse möglich ist. Das Bundesverkehrsministerium wird das ebenso sehen.

Wie wird die Politik entscheiden? Wird man sich eingegangenen internationalen Vereinbarungen verpflichtet fühlen? Dabei spielt eine Rolle, dass es sich beim Inntal um einen uralten Verkehrskorridor nach Süden handelt (Pfad, Straße, Fluss, Eisenbahn und zuletzt auch Autobahn). Kann dieser eine weitere Bahntrasse verkraften? Oder wird die Grenze des Zumutbaren überschritten? Es besteht die Gefahr, dass diese Abwägung seitens der Regierung in Berlin unter anderem angesichts der Notwendigkeit der CO2-Reduzierung im Verkehrsbereich zum Nachteil der Region entschieden wird. Die Foren sollten nun endlich die ihnen eingeräumten Mitwirkungsrechte nutzen, spätestens wenn es nach dem Raumordnungsverfahren um die Auswahl der Vorzugstrasse geht.

Manfred Kreibig

Pocking

An der engsten Stelle des gesamten Inntals zwischen Rosenheim und Innsbruck soll ein Verknüpfungspunkt zum Brenner-Nordzulauf entstehen, wie es deutschlandweit an Größe und Ausmaß keinen Zweiten gibt. An dieser Stelle verlaufen parallel die Kreisstraße Rosenheim-Erl (RO 1), die Bundesautobahn A 93, die Zugtrasse Rosenheim-Innsbruck sowie die Kreisstraße Brannenburg-Oberaudorf (St 2089). Und mittendrin schlängelt sich der Inn mit seinen beiden Radwegen. Verkehr und Tourismus pulsieren in unserem schmalen Tal. Nicht auszudenken wäre eine Großbaustelle über die nächsten zehn bis 15 Jahre. Gerade aufgrund der weiteren Lärm- und Staubbelastung. Für absurd halte ich die Trasse Blau, die oberirdisch direkt durch Wohnbebauung und unter anderem durch Lebensräume wie Innauen und Neubeurer See geplant ist und Ortsentwicklungen für Gemeinden wie Nußdorf und Neubeuern unmöglich machen würde.

Unglaublich ist, wenn man sich die Trassenführung Violett vorstellt, die nach dem Verknüpfungspunkt an der engsten Stelle des Inntals zuerst die Autobahn, dann die Vogelinseln und anschließend den Inn auf Stelzen mit einer Gesamthöhe von 20 Metern quert, um dann im Heuberg, unter dem Kirchwald sowie dem gesamten Samerberg zu verlaufen.

Da erscheint einem schnell der Vergleich mit der Brenner-Autobahn vor Augen, in deren Nähe sich kaum mehr Wohnraum befindet. Einen Raubbau an der Natur sowie einen Ausverkauf der Heimat gilt es zu verhindern. Es ist unser Lebensraum. Wir müssen ihn schützen für unsere Kinder, die Tiere und die Natur.

Martina Schweinsteiger

Nußdorf

Demokratie erschöpft sich nicht am Wahltag. Es wird erwartet, dass die gewählte Regierung die jeweils besten Entscheidungen für das Volk trifft. Absolut keine gute Entscheidung ist das Vorhaben, durch das enge Inntal weitere Gleisanlagen bauen zu wollen. Denn das bedeutet Naturzerstörung und weitere Gesundheitsbeeinträchtigungen der Bewohner durch noch mehr Lärm, als es der Regionalverkehr schon bewirkt. Und warum würden in diesem Fall die Kosten offenbar überhaupt keine Rolle spielen? Es ist einfach unverständlich, warum die Untersuchung der Bestandsstrecke durch Fachleute nicht zur Kenntnis genommen wird – nämlich, dass hier nur eine Modernisierung und kein weiterer Gleiskörper notwendig sei, der oder die zum Teil auf Stelzen gebaut würden. Wie man sieht wäre sonst kein Platz mehr vorhanden. Lärm von unten und von oben! Wer will unter einer solchen Bahnlinie wohnen wollen oder kurz daneben? Nicht auszuschließen ist schließlich auch ein Unglück, zum Beispiel der Bruch der Stelzen mit möglichen Todesopfern wie in Genua. Sehr geehrter Herr Söder, es kann doch auch nicht in Ihrem Sinne sein, Naturzerstörung geschehen zu lassen! Bitte schauen Sie sich das Inntal an und sprechen Sie mit den Leuten, die alle Einzelheiten kennen!

Rosemarie Rindle

Neubeuern

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