MEINUNG

Österreichs Corona-Verschärfung: Kurskorrektur des „Musterschülers“

Marc Beyer
+
Marc Beyer

Die Corona-Maßnahmen in Österreich sind keine Blaupause mehr für Nachbarländer.

Kleine Nachbarn können große Vorbilder sein. Als im Frühjahr die Corona-Pandemie über Europa hereinbrach, gingen die Blicke in Bayern über die Grenze nach Süden. Österreichs Maßnahmen, zügig und konsequent, dienten der Staatsregierung als eine Art Blaupause.

Davon kann keine Rede mehr sein. Mittlerweile ist das Land fast schon ein abschreckendes Beispiel. Es belegt, wie sich falsche Weichenstellungen durch verfrühte Lockerungen auswirken. Das Bewusstsein für die Gefahr hat im Laufe der Monate auf irritierende Weise gelitten. Krass zeigt sich das an der Maskenpflicht, die im Juni vorschnell aufgehoben wurde. Wer im Sommer nach Österreich reiste, konnte den Eindruck bekommen, das Virus habe sich auf Nimmerwiedersehen verabschiedet.

Umso härter werden die Bürger nun mit der Realität konfrontiert. Das erneut drastische Herunterfahren ist ein stilles Eingeständnis. Der einstige Musterschüler ist vom Weg abgekommen und muss mit aller Kraft gegensteuern. Viele Österreicher, die die jüngsten Verschärfungen eher leger handhabten, müssen wieder weitreichenden Verzicht lernen. Das ist anstrengend und auch politisch heikel, weil die Wirksamkeit von Maßnahmen nicht zuletzt von der Akzeptanz in der Bevölkerung abhängt.

Über einzelne Entscheidungen lässt sich immer streiten, doch in der Summe ist die deutsche Corona-Politik über die Monate stringent geblieben. Als Nachbar wird Bayern die Entwicklung in Österreich weiter aufmerksam verfolgen. Die Zeit des Abschauens aber ist erst mal vorbei.

Marc.Beyer@ovb.net

Kommentare