Zweierlei Maß im Königreich?

Johnson und die Affäre Cummings. ALEXANDER WEBER.

Politiker sind auch nur Menschen mit Fehlern und Schwächen. Etwa der österreichische Bundespräsident van der Bellen, der bei einem Glaserl Wein die Zeit vergisst und lange nach Sperrstunde im Restaurant-Garten von der Polizei erwischt wird. Es ist der Umgang mit Fehlern, der den Unterschied ausmacht.

Während das Staatsoberhaupt sein Fehlverhalten offen eingesteht und sich entschuldigt, geht der zweitmächtigste Mann der britischen Politik, Dominic Cummings, wieder einmal einen ganz anderen Weg. Obwohl ihm nachgewiesen wurde, dass er gegen die Corona-Beschränkungen verstieß, sieht der Top-Berater von Premier Johnson keinen Grund zum Rücktritt. Abgehoben und uneinsichtig präsentiert er sich der Öffentlichkeit. Obwohl seine Frau Corona-infiziert war, fuhr er – statt wie vorgeschrieben die komplette Familie in heimische Quarantäne zu versetzen – 400 Kilometer durchs Land, um seinen Sohn zu den Großeltern zu bringen. Damit handelte er in mehrfacher Weise verantwortungslos. Erstens hielt er sich nicht an Order der eigenen Regierung. Zweitens brachte er Oma und Opa in Gefahr durch den Kontakt mit einem möglicherweise infizierten Kind. Und drittens verhöhnt er durch seine Uneinsichtigkeit all jene Briten, die unter schwierigsten Umständen das Kontaktverbot eingehalten haben. Wehe denen, die von Politikern wie Cummings regiert werden.

Alexander.Weber@ovb.net

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