Zurück zur atomaren Anarchie?

Abrüstungsgespräche. ALEXANDER WEBER.

Die Rivalität der Supermächte hatte selbst in den dramatischsten Stunden des Kalten Krieges immer auch eine rationale Komponente: die abschreckende Gefahr eines Einsatzes von Atomwaffen. Deshalb legten die USA und die damalige Sowjetunion ihrem Wettrüsten gewissermaßen vertraglich Zügel an. Ein Atomkrieg sollte weder aus Kalkül noch aus Versehen ausgelöst werden können.

Auch heute noch stehen Amerika und Russland in atomarer Hinsicht einsam an der Spitze. Doch die Überlebenslogik der Vergangenheit scheint in Vergessenheit zu geraten. In Wien treffen sich jetzt zwar Unterhändler aus Moskau und Washington, um über den Abrüstungsvertrag „New Start“ zu reden, doch der Optimismus hält sich in Grenzen. Es ist – neben „Open skies“ und „INF“ – schon das dritte Abkommen, das die Trump-Administration aufkündigt, bzw. enden lässt. Begründung: Russland unterlaufe die Bestimmungen der Verträge zum eigenen strategischen Vorteil. Die richtige Antwort auf Putins Vorgehen wäre jedoch, Moskau am Verhandlungstisch aus einer Position der Stärke heraus zu stellen und ein neues Abkommen auszuhandeln. So, wie man es bei der Herausforderung Europas durch sowjetische SS-20-Mittelstreckenraketen in den 70ern geschafft hat. Stattdessen droht jetzt atomare Anarchie. Hoffentlich zieht am Jahresende wieder ein Mann ins Weiße Haus ein, der in der Lage ist, dieser Logik zu folgen.

Alexander.Weber@ovb.net

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