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Corona-Impfstoff soll schnell, aber nicht übereilt auf den Markt kommen

Christian Deutschländer
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Viele offen auf den Corona-Impfstoff, doch bei der Zulassung und Verteilung ist Umsicht gefragt.

Natürlich ist nichts verständlicher als die inbrünstige Hoffnung, dass es schnellstmöglich den Impfstoff wie Manna vom Himmel regnet. Trotzdem sind in dieser Phase der Pandemie, wo die Hoffnung täglich wächst, Umsicht und Geduld extrem wichtig – beim Zulassen der Impfstoffe und bei ihrer Verteilung. Da können Fehler gemacht werden, die die Gesellschaft auf Jahre vergiften.

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Die Marktzulassung in Europa muss schnell gehen, aber nicht übereilt. Bürokratie-Verfahren sind abzukürzen, aber alle Prüfmaßstäbe müssen wie versprochen hoch bleiben. Es ist heikel, wenn Staaten die Haftung für einen in dieser Art noch nie zugelassenen Impfstoff übernehmen. Und zumindest die Parlamente müssen Einblick in die Lieferverträge haben, ehe die erste Dosis gespritzt wird. Wer bei Prüfung und Transparenz pfuscht, nährt die nächste Riesenwelle an Verschwörungstheorien.

Es ist auch klug, dass die erste Reihe der deutschen Politik keine Sekunde an eine Impfpflicht denkt. Weil es die Vorsichtigen, die ein paar Monate lang mögliche Nebenwirkungen abwarten wollen, und die Impfgegner, die meist nicht politisch radikalisiert sind, zusammenschweißen würde mit Coronaleugnern und deren eifernden Begleitern aus extremistischen Milieus. Und weil es nicht nötig sein wird, um 60 Prozent Impfquote zu erreichen. Die Mehrheit der Menschen will wieder urlauben, fliegen, Großveranstaltungen besuchen – nicht im Inland, aber im Ausland wird das oft mit Impfnachweisen oder einem negativen Test verbunden sein.

Schreiben Sie unserem Autor: Christian.Deutschlaender@ovb.net

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