Zivilcourage in Hoffenheim Ein überfälliges Signal

Zivilcourage in Hoffenheim. Ein überfälliges Signal .

ARMIN GIBIS

Der Fußball wird gerne als das letzte Lagerfeuer unserer Gesellschaft beschrieben. Als ein Ort der behaglichen Zusammenkunft. Doch allmählich steht zu befürchten, dass es mit der Gemütlichkeit vorbei ist. Dass daraus – um im Bild zu bleiben – ein Brandherd wird, aus dem bedrohliche Flammen schlagen. Gewalt, Aggression, auch Menschenverachtung haben längst Einzug in die Arenen gehalten. Gewiss, es ist nur eine hirnverbrannte Minderheit, die das Spiel verdirbt, die alle Regeln des Anstandes ignoriert, Unfrieden und Hass stiftet. Doch diese Wenigen sind schon viel zu viele. Und somit ist es überfällig gewesen, dass beim Fußballspiel zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und dem FC Bayern endlich ein weithin sichtbares Zeichen gesetzt wurde.

Unbestreitbar ist, dass sich der Fußball bislang schwer getan hat im Umgang mit der zunehmenden Verrohung auf den Rängen, mit den Feindseligkeiten, die bis zu offenem Rassismus reichen. Die Reaktionen der Verantwortlichen wirkte oft zögerlich, abwartend. Umso wichtiger nun die Aktion in Hoffenheim, der große Schulterschluss mit dem herabgewürdigten Mäzen Dietmar Hopp, die wilde Entschlossenheit des Bayern-Chefs Karl-Heinz Rummenigge, der sich nicht nur sehr glaubwürdig schämte, sondern die Übeltäter auch mit klaren, schonungslosen Worten brandmarkte.

Deutlicher konnte nicht gemacht werden, dass es höchste Zeit ist aufzustehen, den Feinden des Fußballs die Stirn zu bieten. Damit sind die Probleme sicher noch nicht gelöst. Aber es besteht die Hoffnung, dass an diesem 29. Februar 2020 die Zivilcourage in deutschen Stadien mächtigen Auftrieb erhalten hat.

Armin.Gibis@ovb.net

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