Aus der Zeit gefallen

Zehn Jahre Rauchverbot in der Gastronomie. MARC BEYER.

Es gibt Entscheidungen, bei denen man sich mit etwas Abstand fragt, wie je an ihrer Richtigkeit gezweifelt werden konnte. Die Debatte um das Rauchverbot in der Gastronomie ist so ein Beispiel. Dass es gesetzlich nicht mehr erlaubt ist, mit seiner Qualmerei die Gesundheit des Tischnachbarn zu schädigen, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Sogar für viele Raucher.

Mit einem Angriff auf die liberale bayerische Lebensweise, wie damals geunkt wurde, hatte der Volksentscheid nie zu tun. Nikotingenuss birgt nun mal – abgesehen von den verheerenden Schäden für den Raucher – das Risiko, dass Unbeteiligte Schaden nehmen. Das war immer schon so, kümmerte aber ziemlich lange niemanden. Kein Mensch wird betrunken oder nimmt zu, weil einen Tisch weiter Weißbier oder Schweinsbraten genossen werden. Doch wo der Tabak glimmt, ist der Passivraucher zwangsläufig in Gefahr.

Umso befremdlicher ist die Halbherzigkeit, mit der gerade erst Tabakwerbung eingeschränkt wurde. Mit ihr ist es wie mit dem Rauchen im Lokal. Sie wirkt aus der Zeit gefallen. Während auf Zigarettenpackungen schrille Warnungen und drastischste Bilder Pflicht sind, darf im Kino bei Filmen ab 18 weiterhin das Gefühl von Freiheit besungen werden. Dabei ist Rauchen, in Teilen der Gesellschaft heute regelrecht geächtet, eine zutiefst unromantische Sache. Selbst mehrere Darsteller des Marlboro-Manns starben an Lungenkrebs.

Marc.Beyer@ovb.net

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