Mit Wumms aus der Krise

130-Milliarden-Paket der Regierung. GEORG ANASTASIADIS.

Deutschland hat die medizinische Herausforderung durch die Virus-Krise bislang bemerkenswert gut gemeistert. Das von der Großen Koalition soeben beschlossene Konjunkturpaket stärkt die Zuversicht, dass sich die Hoffnung des Bundesfinanzministers erfüllt und das Land auch wirtschaftlich „mit Wumms aus der Krise“ kommt. An der Börse, wo sie die Zukunft handeln, stürmen die Kurse der Aktien bereits seit Wochen steil nach oben.

Inmitten des tiefsten konjunkturellen Tals der Nachkriegszeit wirkt das auf den ersten Blick surreal. Beobachter nennen den Aufschwung die „meist gehasste Börsen-Rallye“, weil zu viele Anleger aus Angst vor weiteren Rückschlägen nicht eingestiegen sind. Doch der Anstieg ist begründet. Alle Hilfen zusammenaddiert, stimuliert die Regierung die durch Corona schock-gebremste Ökonomie in einem historisch beispiellosen Ausmaß. Das neue 130-Milliarden-Paket eingerechnet, pumpt die Koalition 1,5 Billionen Euro in den Wirtschaftskreislauf – das ist mehr, als alle 27 anderen EU-Länder zusammen aufwenden können, und es dreht die durch die Virus-Krise angeknackste Psychologie. Auch wenn sich in die Bewunderung unserer EU-Partner die Sorge vor dem immer übermächtiger werdenden Partner mischt: Deutschland übernimmt damit in Europa die wichtige Rolle des Konjunktur-Zugpferds, das auch die Handelspartner mitzieht. Die Kanzlerin steht vor ihrem letzten Amtsjahr, viele haben sie als lahme Ente abgeschrieben. Aber jetzt blickt ganz Europa auf sie.

Natürlich kann man über Einzelmaßnahmen immer streiten. Doch insgesamt wirkt das von der GroKo geschnürte Paket stimmig, auch in seiner ökologischen Grundausrichtung. Davon profitieren die nachwachsenden Generationen. Die werden aber auch die gewaltige Last der neu angehäuften Schulden zu schultern haben.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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