Kommentar

Wort des Jahres: Respektrente  - Zu viel der Ehre

  • vonMarc Beyer
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Als Hubertus Heil die Pläne zur Grundrente vorstellte und ihr den Namen „Respektrente“ gab, lagen die Reaktionen zwischen innerlichem Aufstöhnen und Fremdscham.

Das geschah unabhängig von der Frage der sozialpolitischen Notwendigkeit. Was viel mehr aufstieß, war der rhetorische Verpackungswahn der Politik, der um sich greift und nur noch schwer zu ertragen ist.

Die Respektrente ist ein vielleicht noch krasseres Beispiel als das „Gute-Kita-Gesetz“ und sein Geschwisterchen, das „Starke-Familien-Gesetz“. Es sind vor allem Sozialdemokraten wie der Arbeitsminister Heil, die mit Alliterations- oder Bindestrich-Ungetümen Empathie ausdrücken wollen, dabei aber überziehen und ins Kitschige abdriften.

Dennoch ist die Respektrente jetzt zum Wort des Jahres gekürt worden. Um das nachzuvollziehen, muss man vermutlich Sprachwissenschaftler sein. Dann mag es einen speziellen Charme haben, wenn sich einer in ein besseres Licht rückt, indem er andere würdigt. „Selbstaufwertung durch Fremdaufwertung“ nennt das die Jury. Dennoch ist das Votum zu viel der Ehre. Die Grundrente mag ja eines der großen Themen 2019 sein, das im Herbst gar die GroKo zu sprengen drohte. Das R-Wort aber verwendet schon lange kein Mensch mehr.

Marc.Beyer@ovb.net

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