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Corona-Lage spitzt sich zu: Wo Masken Sinn machen – und wo nicht

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MIKE SCHIER

Das ging schnell: Binnen weniger Tage hat sich in München der Inzidenzwert von knapp unter 35 auf mehr als 50 katapultiert; die Kurve steigt so rasant, dass sich alle Skeptiker bestätigt fühlen dürfen.

Den ganzen Sommer über, als sich das Virus in der gelassenen Stimmung über den Schanigärten zu verflüchtigen schien, hatten Experten vor dem schwierigen Herbst gewarnt. Jetzt ist er da. Und plötzlich steht die Politik vor ähnlich diffizilen Entscheidungen wie im Frühjahr – nur dass heute die Meinungen in der Bevölkerung weit auseinander gehen.

Mehr denn je ist deshalb das richtige Augenmaß gefragt, schließlich blickt man auf ein halbes Jahr Erfahrung mit dem inzwischen nicht mehr so „neuartigen“ Virus zurück. Eine Erkenntnis: Ansteckungen finden meist dort statt, wo sich die Menschen am sichersten fühlen – in Familien, im Freundeskreis. Deshalb mögen Masken in engen Räumen (Nahverkehr, Schulen) Sinn machen, eine Pflicht auf Straßen und Plätzen ist dagegen übertrieben. Politiker, die das hinter verschlossenen Türen jetzt diskutieren, sollten nach Spanien blicken: Dort gehören Masken selbst auf Nebenstraßen seit Monaten dazu – die Ansteckungszahlen gingen trotzdem durch die Decke. Auch das eben erst eingeführte deutsche Beherbergungsverbot macht schon nach wenigen Tagen keinen Sinn mehr, wenn sich die Zahlen im Bundesgebiet immer mehr angleichen und der Rosenheimer zwar nach Aschaffenburg fahren darf, nicht aber nach Frankfurt.

Es bleibt dabei: Politiker sollen Menschen zur Vorsicht anhalten, dürfen aber keine Panik schüren. Ja, die Ansteckungen steigen, sind aber nicht der einzige Parameter. Mindestens ebenso wichtig ist die Zahl der schweren Verläufe und die Situation auf Intensivstationen. Die Politik muss weiter auf Sicht fahren, die Bevölkerung geduldig bleiben. Der Herbst hat gerade erst begonnen.

Mike.Schier@ovb.net

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