Wo Drosten irrt

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Corona-Angst. GEORG ANASTASIADIS.

Christian Drosten ist Deutschlands führender Virologe. Er hat als Erster die Corona-Pandemie richtig vorhergesagt, viele Bundesbürger vertrauen seinem Wort. Entsprechend schockiert und auch deprimiert reagierten viele auf seine Aussage, die Pandemie gehe in Deutschland jetzt erst richtig los. Erst gestern räumte Drosten ein, dass er seine – als brandaktuell verkaufte – Warnung schon vor vielen Wochen ausgesprochen hat. Zu einem Zeitpunkt also, als viele Bundesbürger, anders als heute, noch recht unbeschwert, fast sorglos waren.

Solche Unsauberkeiten kosten Vertrauen. Es darf jetzt nicht darum gehen, den ohnehin tief verunsicherten Bürgern noch mehr Angst einzujagen. Was wir brauchen, sind Achtsamkeit und Verantwortung füreinander, aber keine Panik. Auch Ministerpräsident Markus Söder sollte seine Worte vorsichtiger wägen. Wer wie er von einer anrollenden „Corona-Schockwelle“ spricht, redet den Ausnahmezustand, den wir verhindern müssen, erst herbei. Auch Angst macht krank.

Und stimmt  es überhaupt, was Drosten sagt? Dass Deutschland nichts besser gemacht habe als andere Länder, nur etwas früher dran gewesen sei mit seinen Maßnahmen? Damit nimmt er, Jörg Pilawa hat darauf bei Maischberger zu Recht hingewiesen, den Menschen das Verantwortungsmomentum und entwertet die bewundernswerte Disziplin und Regeltreue, die die Deutschen auszeichnet. Die Anstrengungen waren nicht umsonst und werden es auch in Zukunft nicht sein. Dies ist nicht die Zeit für Apathie. Etwas anderes sollten wir uns von niemandem einreden lassen.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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