Es wird keinen Frieden geben

Der Einsatz in Afghanistan. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Was so klingt, als wären es gute Nachrichten aus Afghanistan, ist nur ein in schöne Worte verpacktes Scheitern. Die USA senken ihre Truppenpräsenz noch mal drastisch auf dann unter 5000 Soldaten. Afghanistans Präsident entlässt 400 hochgefährliche Taliban-Kämpfer aus den Gefängnissen. Es ist eine Farce, salbungsvoll von „Friedensgesprächen“ zu reden in dem geschundenen Land.

Die Taliban, ab 2001 von einer US-geführten Intervention aus der Regierung vertrieben, kämpfen und schlachten sich schrittweise zurück an die Macht, finanziert durch blühenden Drogenhandel oft unter den Augen der internationalen Soldaten. In mehr als der Hälfte der afghanischen Bezirke herrscht Krieg. Die Zentralregierung kontrolliert weniger als 40 Prozent der Regionen. In Kabul hat sich die Lage gebessert, doch die Gesamtbilanz nach zwei Jahrzehnten Einsatz ist düster. Afghanistan ist mehr denn je ein theoretisches Konstrukt auf Landkarten.

Für den Westen heißt das: Der Krieg gegen den islamistischen Terror ist nicht gewonnen. Er ist nur aus dem Blickfeld verschwunden, momentan hinter Corona und sonst hinter anderen Aufregungswellen. Der Truppen-Rest, auch 1300 deutsche Soldaten im längst nicht mehr sicheren Norden, kann keine Stabilität mehr garantieren. Auch für die teuren Bundeswehr-Mandate stellt sich in Afghanistan unübersehbar die Sinnfrage. Der Einsatz war und ist nicht falsch – aber ist nun leider aussichtslos.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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