Wirbel um WDR-Satire Fatale Folgen der Belehrung CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Wirbel um WDR-Satire. Fatale Folgen der Belehrung .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Wir leben in einer Aufregungsgesellschaft. In ungeahnter Lautstärke erregt sich die ganze Republik über eine missglückte WDR-Satire. Es hat schlimmere mediale Fehlleistungen in den letzten Jahren gegeben als diesen instrumentalisierten Kinderchor, der Oma als „Umweltsau“ besingt – doch eben wegen dieser Fehlerkette, wegen der Angreifbarkeit des zwangsgebührenfinanzierten Rundfunks, schlägt dieser Fall so hohe Wellen.

Das öffentlich-rechtliche System hat sich über viele Jahre hinweg doppelt selbst in Bedrängnis gebracht. Zu ausgabefreudig waren die Sender, sparten zu spät. Sie konnten sich ja drauf verlassen, nur einen Bruchteil der Einnahmen erwirtschaften zu müssen – mag das Publikum überaltern, mögen sich die Konsumgewohnheiten dramatisch ändern, die Gebührengelder fließen. Der zweite Fehler war das kapitale Missverständnis, das Land dürste nach einem Belehrungsfunk. Nach Sendern, die ihr Publikum umerziehen wollten im Sinn von Öko- und Migrationsmoral. Die Minderheit in den Funkhäusern tickt so (die Mehrzahl sind gute, aufmerksame Journalisten), richtet aber hohen Schaden an. Das hätte der WDR nach der Kölner Silvesternacht 2015/16 schon lernen sollen.

Je stärker unsere Debatten in Schnappatmung geführt werden, je ungenauer sich viele Menschen informieren, die mal schnell im Internet irgendwas gelesen zu haben glauben – desto wichtiger ist der Informationsauftrag der Öffentlich-Rechtlichen. Sie müssen ihm seriös, neutral und gründlich nachkommen. Der WDR hingegen hat nicht nur seine Kernzielgruppe verunglimpft, sondern wieder mal der ganzen Branche geschadet.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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