CSU will sich breiter aufstellen Lücken füllen statt einlullen

CSU will sich breiter aufstellen. Lücken füllen statt einlullen .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Die CSU will sich „breiter aufstellen“. Das klingt gut und passt in jeder Lebenslage, ist hier aber ein gymnastischer Balanceakt. „Breiter“ heißt: weniger über Asylpolitik reden. Dabei muss die CSU beachten, dass noch immer Migration, positiv wie negativ, das wichtigste Thema für die Bayern ist. Im Parteiensystem sollte es schon die Union sein, die klare, notfalls harte Ansagen auf diesem Politikfeld macht. Auch wenn dann, wie nach dem Seeoner Asyl-Papier der Landesgruppe, ein Teil der Republik in Schnappatmung gerät. Gar nicht mehr drüber zu reden, hätte was von Merkels Einlull-Strategie („asymmetrische Demobilisierung“) – nicht erfolgversprechend.

Als neue Schlüsselbereiche (neben Wohnen und Pflege) definiert die CSU Wirtschaft und die Umweltpolitik. Hier lauert ein Problem: Die zuständigen Ministerien haben sich die Freien Wähler gepflückt; im Bund CDU und SPD. Die CSU hat fast keine Köpfe mehr, die wie einst der knorrige Otto Wiesheu allein für ein Thema stehen.

Die Landtagsfraktion sollte beginnen, diese Lücke zu füllen. Bisher waren zu viele Abgeordnete vollauf damit beschäftigt, Söder gut zu finden und auf die Zuteilung von Posten zu warten. Sie könnten auch jenseits ihrer Stimmkreise selbstbewusster werden, ein stärkeres Profil entwickeln. Als 2008 Wirtschafts- und Wissenschaftsressort an die FDP gingen, waren es junge Abgeordnete der CSU, die außerhalb der Kabinettsdisziplin mit frechen und meist klugen Ideen ihre Partei auf diesen Feldern im Gespräch hielten. So etwas braucht die CSU jetzt wieder.

Christian.Deutschlaender@merkur.de

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