Wieder eine Abwrackprämie? Veränderte Prioritäten

Wieder eine Abwrackprämie? Veränderte Prioritäten .

MARTIN PREM

Die Hausaufgaben sind gemacht. Alle deutschen Autohersteller werden nun loslegen und nach den Corona-Einschränkungen ihre Produktion hochfahren. Für Gesundheitsschutz ist gesorgt, die Lieferketten stabilisieren sich, und auch die Autohäuser dürfen wieder öffnen.

Gute Aussichten mit Schönheitsfehlern: Wer kauft ein neues Auto, wenn er um den Job bangt? Welcher Autovermieter baut seine Flotte aus, wenn der Reiseverkehr weltweit am Boden liegt? Und auch der Mittelstand – eine wichtige Kundengruppe deutscher Premiumhersteller – hat andere Sorgen. Es spricht wenig dafür, dass eine riesige Nachfrage für ausgelastete Autowerke sorgt.

Eine erneute Kaufprämie – vom Volksmund Abwrackprämie genannt – könnte für Linderung sorgen. Weil ältere Autos durch neue, emissionsärmere ersetzt werden, würde auch die Schadstoffbelastung sinken. Damit wurden schon in der Vergangenheit Kaufprämien zugunsten der Autoindustrie begründet. Doch wir haben es diesmal nicht mit der Absatzflaute einer Branche zu tun, sondern mit einer Krise fast aller Wirtschaftsbereiche. Die begrenzte Feuerkraft eines Landes wird nicht ausreichen, allen zu helfen. Wer sieht, mit welchen Problemen Klein- und Kleinstunternehmen zu kämpfen haben, wird Prioritäten setzen müssen, bei denen Kaufprämien für neue Autos nicht ganz oben stehen. Sonst verspielen wir, was uns so erfolgreich gemacht hat: den Mittelstand als Rückgrat unserer Wirtschaft.

Martin.Prem@ovb.net

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