Wertloses Dementi aus Peking

Trumps Kampf gegen Tiktok. FRIEDEMANN DIEDERICHS.

Viel spricht dafür, dass sich die bei Millionen Jugendlichen beliebte Video-App Tiktok nicht mehr lange in chinesischem Besitz befinden wird, was die in den USA verfügbare Version angeht. Donald Trump ist die beliebte App ein Dorn im Auge, und in Kürze dürfte TikTok entweder von Microsoft vereinnahmt oder in den Vereinigten Staaten verboten werden. Man kann vom US-Präsidenten halten, was man will – aber sein Engagement in dieser Sache ist lobenswert. Denn zwei Dinge stehen fest. Zum einen sind es Tanz- und Musikvideos nicht wert, dass dafür das kommunistische Regime im Gegenzug die Daten von Millionen Nutzern abschöpfen kann.

Zum anderen kann das Tiktok-Management bis zum St.- Nimmerleins-Tag beteuern, dass Peking keinen Zugriff auf vertrauliche Informationen hat. Ein solches Dementi ist wertlos, denn die chinesische Regierung kann bei jedem Unternehmen in ihrem Einflussbereich Forderungen stellen und diese erfüllt bekommen. Wer etwas anderes glaubt, belügt sich selbst. Deshalb wäre die Microsoft-Lösung für das Weiße Haus ein kluger Schachzug. Es würde nicht die Tiktok-Fans in den USA vor den Kopf stoßen – und könnte die Spionagegefahr ausräumen, wenn Microsoft tatsächlich alle Verbindungen der App zu China kappt und sie unabhängig vom derzeitigen Besitzer betreibt.

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