Werft Wirecard endlich aus dem Dax

Bilanzvorlage erneut verschoben. GEORG ANASTASIADIS.

Der Zahlungsabwickler Wirecard aus Aschheim war mal das Vorzeigeunternehmen des Hightech-Standorts München. Inzwischen ist es nur noch die Skandalnudel. Gestern musste das unter Bilanzmanipulationsverdacht stehende Dax-Unternehmen die Vorlage seines Zahlenwerks zum wiederholten Male verschieben. Bei Wirecard, das Kritikern zufolge seine Umsätze künstlich aufgebläht haben soll, reiht sich für die Aktionäre seit Monaten Hiobsbotschaft an Hiobsbotschaft. Bilanz-Sonderprüfer werfen dem Unternehmen vor, Unterlagen zurückgehalten zu haben, gegen Manager laufen Milliardenklagen. Hilflos bis dilettantisch wirken die Versuche des Vorstands, sich gegen die Vorwürfe zur Wehr zu setzen.

Das Schlimme ist: Unternehmen wie Wirecard zerstören das Vertrauen der Menschen in den Aktienmarkt. Dass sich dort auch manch windige Zockerbuden tummeln, ist bekannt. Doch Wirecard hat mit seinem Aufstieg in den Dax vor knapp zwei Jahren gewissermaßen das Prädikatssiegel der deutschen Börse verliehen bekommen. Anleger, die darauf vertrauten, haben seither Milliardenverluste erlitten. Mit seinem undurchsichtigen Agieren, das eher an eine drittklassige Klitsche denn an ein Dax-Mitglied erinnert, hat das Unternehmen nicht nur das Vertrauen in die eigene Rechtschaffenheit erschüttert, sondern auch der Aktienkultur in Deutschland Schaden zugefügt.

Es ist die Entscheidung des Aufsichtsrats und der Aktionäre, daraus die Konsequenzen zu ziehen und den Vorstandsvorsitzenden Markus Braun zu feuern oder nicht. Doch es wäre Sache der Deutschen Börse, ein solches Skandalunternehmen nicht länger in seinem Premiumsegment zu dulden. Wirecard hat im Dax nichts mehr verloren.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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