Wenn Kunst gefährlich wird ...

BBC streicht Serien-Folge. MARCUS MÄCKLER.

Was schätzen wir, was lassen wir fallen? In der laufenden Rassismus-Debatte wird Altes neu bewertet. Das ist im Kern gut und wenn, wie im britischen Bristol, die Statue eines Sklavenhändlers vom Sockel gestoßen wird, muss man ihr keine Träne nachweinen. Schwieriger ist das im Fall der BBC, die in blindem Eifer eine Folge der Comedy-Serie „Fawlty Towers“ wegen „rassistischer Beleidigungen“ aus dem Programm genommen hat.

Ja, in der Folge „Die Deutschen“ nutzt ein (offensichtlich seniler) Hotelgast üble rassistische Worte, die im gesellschaftlichen Umgang Gott sei Dank geächtet sind. Aber die Szene dient gerade nicht dazu, seine Denkmuster kritiklos zu reproduzieren – sie will sie bloßstellen. Auch Gerhard Polt hat mit seinen Figuren „Mai Ling“ oder „Herr Tschabobo“ die Idiotie rassistischer Stereotype offengelegt, gnadenlos und gerade deshalb mit aufklärerischem Erfolg. Das ist Satire. Die BBC hätte es wohl gerne gefälliger, sie will die „Fawlty Towers“-Folge nun „prüfen“ und mit Warnhinweisen versehen. Das muss stutzig machen, denn wo Kunst gefährlich wird, ist Unfreiheit nicht weit. Nach dem Anschlag auf die Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ schien es, als hätten wir das begriffen.

Die Rassismus-Debatte ist nötig. Dass wir uns selbst hinterfragen, ist nötig. Aber wer hyperventiliert, richtet im Zweifel mehr Schaden an, als er Gutes bewirkt. Das darf gerade jetzt nicht passieren.

Marcus.Maeckler@ovb.net

Kommentare