Zu wenige Parteisoldaten

Die SPD und ihre Erben. DIETER SATTLER.

Der FDP-Politiker Marco Buschmann hatte am Sonntag einen Shitstorm abbekommen, da er seinen Kondolenz-Tweet für den verstorbenen Ex-SPD-Chef Hans-Jochen Vogel für einen Seitenhieb gegen zwei seiner Nachfolger genutzt hatte: Gerhard Schröder und Sigmar Gabriel. Das macht man natürlich nicht in einer Trauerbotschaft. Aber inhaltlich lag Buschmann richtig. Denn Vogel, der letzte aus der großen SPD-Riege um Brandt, Schmidt und Eppler, wäre nie auf die Idee gekommen, so wie Schröder und Gabriel seinen Einfluss nachträglich zu versilbern und als Lobbyist anzuheuern. Vogel blieb zeit seines langen Lebens ein treuer Parteisoldat. Dagegen beschädigen Schröder und Gabriel, denen es zur aktiven Zeit weder an Talent noch an Einsatz für die SPD fehlte, ihr Ansehen durch die lukrative Karriere nach der Karriere.

Wenn Gabriel sagt, die 10 000 Euro, die er als Berater bei Tönnies bekam, seien in dieser Branche nicht besonders viel, ist das nicht falsch. Es zeigt aber, wie weit er sich von den alten SPD-Wählern entfernt hat. Den Brandt-Enkeln, die so oft betonen, „wegen Willy“ in die Partei eingetreten zu seien, ging es stets auch um sich selbst – auch Oskar Lafontaine, der als SPD-Chef beim ersten Gegenwind hinschmiss. Für die alte, knorrige, aufrechte SPD steht eigentlich jetzt nur noch einer: Franz Müntefering.

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