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Missbrauchs-Gutachten: Weitere Rücktritte nicht ausgeschlossen

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Erst stürzte die Ankündigung dieses zweiten Gutachtens über den Umgang mit sexuellem Missbrauch im Erzbistum Köln die katholische Kirche in Deutschland in Turbulenzen. Jetzt sorgte die Veröffentlichung dieser Untersuchung für einen Paukenschlag: Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, der zuvor Generalvikar und Personalchef in Köln war, streitet zwar weiterhin Pflichtverletzungen ab – doch er wirft das Handtuch.

Nicht systematische, sondern systembedingte Vertuschung von Missbrauchsfällen hat das Gutachten der Kanzlei Gercke & Wollschläger ans Licht gebracht. Die Anwälte haben haarsträubende Pflichtverletzungen und Schlampereien im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt offengelegt. Eine Verfehlung von Kardinal Woelki, der ein erstes Gutachten im vergangenen Herbst wegen angeblicher Rechtsunsicherheit zurückgehalten hat, haben die Gutachter aber nicht gefunden.

Seit Januar 2020 wusste Woelki, dass die Akten keinen Hinweis auf ein Fehlverhalten seinerseits hergeben. Also konnte er ohne Herzklopfen die Präsentation des Gutachtens verfolgen. Dass er sofort zwei hochrangige Kirchenmänner von ihren Ämtern abberief, war sicher keine spontane Eingebung. Woelki hat in einem wohlinszenierten Auftritt Entschlusskraft dargestellt. Für ihn mag das neue Gutachten wie ein Befreiungsschlag sein. Doch die Missbrauchsaffäre ist damit nicht beendet. In einigen anderen Bistümern stehen noch Gutachten aus. Weitere Rücktritte sind nicht ausgeschlossen.

Claudia.Moellers@ovb.net

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