Warum Söder durchgreifen muss

Ärger um Corona-Tests. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Eine knappe Woche Frist bekommen Bayerns Behörden, um den Test-Murks bei den Rückreisenden zu entwirren. Bis Wochenende gelobt Markus Söder Besserung. So wenig Zeit muss reichen für seine Staatsregierung, die ja auch sonst gern höchstmöglichen Tatendrang versprüht. Verschlampte Ergebnisse, analog-digitales Gewurstel mit hochsensiblen Daten – das darf sich nicht fortsetzen in dem Land, durch das die meisten Urlaubs-Rückkehrer auf der Heimreise fahren.

Stimmt schon: Der Corona-Kampf fordert vielen Behörden ein hohes Tempo ab. Söders brachialer Stil, die weitreichendsten Maßnahmen öffentlich festzulegen und hernach den nachgeordneten Ebenen mitzuteilen, ist zwar der Herausforderung Corona absolut angemessen, stößt aber viele vor den Kopf. Er ist erkennbar schneller als der Apparat. Dazu kommt, dass seine Staatsregierung nicht optimal aufgestellt ist. Personell nicht, aus allerlei Koalitions- und Proporzgründen. Und strukturell nicht, weil Söder 2018 vor Corona seine Regierung in kleinere Ressorts und auf mehrere Städte aufteilte. Zum wuchtigen Kampf gegen eine Pandemie sind Kleinministerien mit Außenstandorten in Wichtelhausen nicht perfekt.

Reiz und Risiko der Landespolitik: Es gibt echte Verantwortung, nicht bloß Berliner Stimmungsbarometerpolitik. So wurde Söder seit März zum Macher, gewann enorm Vertrauen. Wenn’s nun in Bayern auch mal hakt, bei Schul-Digitalisierung oder Tests, bleibt das aber genauso an ihm persönlich hängen.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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