Kommentar: "Warum nicht auch mal offene Sonntage?"

Primark
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Kreativ gegen die Corona-Krise – dafür muss auch Neues gewagt werden, sagt unser Autor.

Georg Anastasiadis

In entwaffnender Offenheit hat der Bundesgesundheitsminister Versäumnisse im Umgang mit der Corona-Epidemie eingeräumt. „Wir werden viel verzeihen müssen“, sagte Jens Spahn kürzlich im Bundestag, wohl auch mit Blick auf spät verhängte Maßnahmen und die verpasste Bestellung von Schutzkleidung. Das war sympathisch, auch wenn es den von der FDP angestrebten Untersuchungsausschuss am Ende wohl nicht aufhalten wird. Richtig ist: Alle mussten in dieser Krise, wenig verwunderlich, erst eine Lernkurve durchlaufen. Umso wichtiger, dass das als richtig Erkannte nun rasch und mit viel Nachdruck umgesetzt wird. Es ist ärgerlich, dass gewaltige Testkapazitäten zuletzt ungenutzt blieben, weil Krankenkassen und Regierung sich nicht auf die Verteilung der Kosten einigen konnten. Ebenso erstaunlich, dass die Corona-Handy-App zur Nachvollziehung von Kontakten mit Infizierten nur so schleppend vorankommt.

Kein Dogmatismus

Beides, die App und Massentests, gelten – neben den noch fehlenden Impfstoffen – als entscheidende Waffen, um das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu behalten. Sie sind jedenfalls deutlich besser verträglich und auch preiswerter als die vielen Einschränkungen, mit denen die Menschen weiterhin leben müssen. Warum also keine Tests an Kitas und Grundschulen im Gegenzug zu rascheren Öffnungen? Gefragt sind kreative Lösungen, nicht Dogmatismus. Dazu können, auch wenn sich  die CSU noch so fest die Ohren zuhält, auch gelegentliche verkaufsoffene Sonntage gehören, um dem verzweifelten Einzelhandel gegen die immer erdrückendere Online-Konkurrenz zu helfen und Arbeitsplätze zu sichern. Alles, was entzerrt und Menschenansammlungen verhindert, hilft.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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