Warum Jubel vorschnell wäre

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Laschet und die NRW-Wahl. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Politische Mathematik hat wenig mit Rechnen zu tun, eher mit Deuten. Deswegen drehen sich alle Parteien das Ergebnis der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen so hin, wie es gerade passt. Beispiel Armin Laschet: Gewiss ist er der große Verlierer, weil seine CDU das schlechteste Ergebnis seit 1946 einfuhr. Oder ist er gewiss der große Gewinner, weil seine CDU in mehreren Großstädten die Chance hat, den OB-Posten zurückzuholen?

Vorsicht vor der Überinterpretation lokaler oder irgendwie zusammengezählter Landes-Ergebnisse. Den Kanzlerkandidaten der Union bestimmt nicht der Rat von Bottrop oder Wanne-Eickel. Wer Laschet nun zum natürlichen Kanzlerkandidaten hochjubelt, muss davon schon vorher sehr überzeugt gewesen sein.

Was allerdings in NRW gut abzulesen ist, ist die Verschiebung im linken Lager. Die Grünen haben im Westen kommunal stark zugewonnen – vor allem bei jungen Wählern und in den Städten schieben sie sich auf Platz eins oder zwei. Das deckt sich mit den Lehren der bayerischen Kommunalwahl im März. Für die Union heißt das: Sie muss intensiver charismatische Persönlichkeiten fördern und schneller ein modernes, entstaubtes Profil für die Städte entwickeln. Vereinzelt hat das geklappt. Aber wo das nicht gelingt, wird sie abgehängt.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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