Wahlsieger Johnson Befördert statt gefeuert ALEXANDER WEBER

Wahlsieger Johnson. Befördert statt gefeuert .

ALEXANDER WEBER

Als Bub wollte Boris Johnson „König der Welt“ werden, jetzt ist er wenigstens vom Volk legitimierter britischer Premierminister. Bisher war der konservative Blondschopf nämlich nur ein Regierungschef ohne Mehrheit im Parlament, der einzig von den Tory-Mitgliedern ins Amt gehievt wurde. Nun hat Johnson die Mittel, das Mega-Thema Brexit nach jahrelangem Gewürge Realität werden zu lassen. Zu verdanken hat er diesen Sieg auch seinem Labour-Konkurrenten Jeremy Corbyn, der lieber sozialistischen Umverteilungsträumen aus der Vergangenheit nachhing, als die Zukunft Großbritanniens zu sichern.

Man mag als Europäer den Brexit bedauern, doch jetzt gilt es, das Beste daraus zu machen. Denn die großen Themen machen an keiner nationalen Grenze halt: Verteidigung, Klimapolitik, Digitalisierung und die Herausforderung durch neue globale Player wie China bleiben gemeinsame europäische Themen, bei denen London auf sich allein gestellt kaum Fortschritte erzielen wird.

Boris Johnson steht nun vor seiner größten Herausforderung: Er muss sich selbst neu erfinden. Bisher konnte das selbstverliebte Enfant terrible der britischen Politik mit Intrigen, Rabatz und Klamauk beim Publikum punkten. Doch jetzt ist seriöses Arbeiten gefragt. Es ist schon eine Ironie der Geschichte: Johnson wurde von einem britischen Institut als der erfolgloseste Außenminister der Nachkriegszeit bewertet. Doch statt ihn dafür zu feuern, haben ihn die Briten ins höchste Staatsamt befördert. O Tempora, o mores! Was für Zeiten, was für Sitten!

Alexander.Weber@ovb.net

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