Wahlen in Irland Ex-Terroristen mit linker Agenda MIKE SCHIER

Wahlen in Irland. Ex-Terroristen mit linker Agenda .

MIKE SCHIER

Jetzt haben die politischen Verwerfungen dieser Tage also auch die Republik Irland erreicht, die im Angesicht des Brexit-Sturms auf der Nachbarinsel lange wie ein Hort politischer Stabilität wirkte: Wer hätte einst gedacht, dass Sinn Fein, früher politischer Arm der katholischen IRA-Terroristen, in Nachwahlbefragungen einmal genauso abschneiden würde wie die beiden Mitte-Parteien, die sich ein Jahrhundert lang an der Macht abwechselten?

Doch es wäre ein Fehler zu glauben, auf der grünen Insel würde man sich angesichts der republikanischen Agenda von Sinn Fein, die als einzige der großen Parteien im Süden wie im Norden antritt, einer Wiedervereinigung nähern. Der Erfolg der explizit als linker Kraft angetretenen Mary Lou McDonald beruht eher auf wirtschaftlichen Verwerfungen, die die Bürger massiv ärgern. Die Immobilienpreise sind, auch angetrieben von vielen Investoren aus Deutschland, in Dublin so hoch, dass inzwischen ganz normale Menschen in die Obdachlosigkeit abrutschen. In den Kliniken gibt es viel zu wenige Betten, selbst Privatpatienten liegen tagelang auf improvisierten Bahren auf dem Gang.

Premier Leo Varadkar, der das einst stock-konservative Land liberalisiert hat, bekommt nun die Quittung dafür, sich vor lauter Brexit-Verhandlungen zu wenig um die Alltagssorgen gekümmert zu haben. Sollte er – vielleicht in einer Großen Koalition jenseits von Sinn Fein – eine neue Chance bekommen, muss er das dringend ändern.

Mike.Schier@ovb.net

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