Vorwürfe gegen Dirigent Barenboim hat nichts begriffen

Vorwürfe gegen Dirigent. Barenboim hat nichts begriffen .

MARKUS THIEL

Er sei eben so. Außerdem gehe es ihm allein um die Kunst, nicht ums Ego. Kein Bedauern, keine Entschuldigung: Daniel Barenboim hat (noch) nicht begriffen, worum es in dieser Affäre eigentlich geht. Dass es beim Ausüben von Musik, dieser hochemotionalen Angelegenheit, zu ebensolchen Äußerungen und Handlungen kommen kann, liegt in der Natur der Sache. Ebenso, dass Macht verführt, auch zu Ungerechtigkeiten, dies erst recht in der autoritären Funktion des Dirigenten. Gewiss: Musikalische Interpretation kann nicht das Ergebnis demokratischer Prozesse sein. Sie sollte allerdings entstehen in einer Atmosphäre gegenseitiger Wertschätzung.

Wer anderen Verletzungen zufügt, muss sich dafür verantworten. Eine Binse, die im Bereich der Kunst nicht überall angekommen ist und zeigt, in welch überholten gesellschaftlichen Strukturen dort agiert wird. Barenboim wittert hinter den Vorwürfen eine Kampagne gegen seinen Verbleib in Berlin. Das verrät ihn. Als Streiter für Toleranz tritt der Star offenkundig nur nach außen hin auf, nicht im ebenso gefährdeten Gefüge eines Orchesters. Sein großes Lebenswerk wird dadurch von ihm selbst beschmutzt. Was beruhigt: Er ist einer der Letzten seiner Art. Fast alle, die nach ihm kommen, denken anders.

Markus.Thiel@ovb.net

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