Ein Virus schärft das Bewusstsein

Wertschätzung der Landwirte. VON DOMINIK GÖTTLER.

Für Bayerns Bauern hat die Corona-Krise den Alltag weniger stark verändert als für weite Teile der Rest-Bevölkerung. Die Arbeit auf dem Acker ging nahtlos weiter – ohne Maske und Abstandsregeln. Dennoch hat die Pandemie dafür gesorgt, dass die Kluft zwischen Verbrauchern und Erzeugern im Land etwas schmaler wurde. Den Bauern hat es gut getan, von der Politik ohne Umschweife als systemrelevant eingestuft zu werden. Und die Rückbesinnung in der Krise auf regionale Lebensmittel darf getrost als eben jene Wertschätzung gewertet werden, die viele Landwirte zuletzt vermissten.

Die große Versöhnung also? Nicht ganz. Die immer wieder geforderte langfristige Planungssicherheit für Landwirte beim Stallbau und anderen Investitionen auf dem Hof wird die Politik trotz aller Traktorproteste nicht uneingeschränkt liefern können. Zu sehr verändern sich die gesellschaftlichen Anforderungen. Der Ruf nach Veränderungen bei Tierwohl, Natur- und Klimaschutz mag manchmal überzogen sein. Viele Anliegen aus der Bevölkerung – egal, ob beim Kükentöten oder in der Schweinehaltung – haben aber ihre Berechtigung.

Klar ist auch: Wer Veränderungen auf dem Acker einfordert, muss seinen Teil der Abmachung einhalten und auf den eigenen Konsum achten. Die Politik kann und sollte den Menschen nicht den Einkaufszettel diktieren. Aber sie kann dafür sorgen, dass sich der Kunde die Gewissensfrage selbst stellt. Indem im Supermarkt noch klarer gekennzeichnet werden muss, wo und unter welchen Bedingungen die Lebensmittel produziert wurden. Egal, ob sie aus Bayern oder Brasilien kommen.

Dominik.Goettler@ovb.net

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