Vieles gut, viel zu tun

Deutsches Gesundheitssystem . SEBASTIAN HORSCH.

Deutschland ist besser durch die bisherige Corona-Epidemie gekommen als viele andere Länder. Mit Glück – aber auch, weil wir ein schlagkräftiges Gesundheitssystem haben. Und doch muss einiges besser werden.

Wie so viele starke Wesen, ist das deutsche Gesundheitssystem gleichzeitig träge. Seine größte Herausforderung liegt deshalb immer darin, sich weiterzuentwickeln und flexibel zu bleiben. Das gilt bei der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und Arztpraxen genauso wie bei der dringenden Digitalisierung. Während andere Länder in Europa uns seit Jahren vormachen, was hier möglich ist, lähmten hierzulande Interessenkonflikte zwischen Ärzten, Kliniken und Kassen lange den Fortschritt. Nun gibt es viel aufzuholen. In den wirklich bangen Tagen der Krise aber zeigte sich, dass ein anderes Problem im Ernstfall noch schwerer wiegt. Lange schon quält die Kliniken der Personalmangel in der Pflege, doch plötzlich drohte er Leben zu kosten. Was helfen schließlich noch so viele Betten, wenn niemand mehr da ist, der die Patienten versorgt?

Es gibt also viel zu tun. Und natürlich haben die Lösungen all dieser Probleme auch mit Geld zu tun. Die populäre Aussage, das deutsche Gesundheitssystem sei kaputtgespart worden, ist trotzdem falsch. Über die Jahre ist genug Geld ins System geflossen. Es fließt nur oft nicht dorthin, wo es dringend gebraucht wird – sondern dorthin, wo die besten Lobbyarbeiter danach rufen.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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