Verzicht auf Diätenerhöhung Gelegenheit zur Image-Korrektur

Verzicht auf Diätenerhöhung. Gelegenheit zur Image-Korrektur.

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

In der Corona-Krise purzeln die Milliardensummen wild durcheinander. 200 Euro Diätenerhöhung wären da nicht mal eine Fußnote. Trotzdem ist es goldrichtig, dass der Bundestag und mehrere Landtage, hoffentlich auch in Bayern, heuer auf eine Erhöhung verzichten. Es geht um ein Symbol. Die Politik verlangt den Menschen extrem viel ab – Verzicht auf Freiheitsrechte, aber auch wirtschaftlich. Hunderttausende Arbeitnehmer gehen in Kurzarbeit, Millionen Jobs wackeln, ganze Branchen sind abgeschaltet. Da können sich Politiker mit ihrer Vorbildfunktion nicht von der Realität abkoppeln.

Es geht nicht um halbgare Klischees. Faul, träge, überfinanziert – das ist in den allermeisten Fällen eh falsch. Aber eine Chance zur Imagekorrektur sollten die Parlamentarier schon nutzen. Gerade der Bundestag hat in den letzten Jahren kein gutes Bild abgegeben: zaghaft und verschüchtert in der Migrationskrise, ignorant beim Aussitzen der überfälligen Wahlrechtsreform. Seit März hat die Politik, dank zupackender Regierungen in München und Berlin, einen besseren Lauf. Mehr noch: Die Menschen können den Unterschied zwischen entschlossenem und zögerlichem Regieren sogar an internationalen Todesraten ablesen. Die Verzichts-Geste, für unsere stattlich finanzierten Politiker wahrlich verkraftbar, ist ein kleiner Beitrag zum Stabilisieren des Vertrauens.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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