Verwirrende Lichtzeichen

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Söders Ampel-Pläne. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Ampeln sind recht hilfreich dabei, die Hauptstraße zu überqueren. In der Corona-Politik nützen Ampeln hingegen wenig. Die Verlockung mag sein, hochkomplexe Virus-Risiken laienhaft zu erklären. Doch das schafft schräge Botschaften. Nichts ist grüne Welle, solange das Virus nicht unter Kontrolle ist. Und eine rote Ampel, also hohe Gefahr, soll eben auch nicht unseren Alltag zum Erliegen bringen. Es ist kein Lockdown-Kommando, sondern das Gegenteil: Strengere Regeln, damit unser Leben und unsere Wirtschaft in Bewegung bleiben können.

Politische Ampeleien sind nicht schlimm, aber unterfordern die Bürger. Eine riesige Mehrheit achtet mit außergewöhnlicher Disziplin auf wöchentlich wechselnde Regeln, informiert sich, kalkuliert Risiken. Die brauchen Argumente und Daten, keine Lichtzeichen. Nur kleine Gruppen missachten alle Regeln. Preisfrage: Wird der Berliner Party-Kiez in seiner feierwütigen Problemignoranz umgehend auf 1,50 Meter Abstand gehen wegen Söders Ampel? Oder die türkische Großhochzeit in NRW vielleicht? In diesen Gruppen gibt es kein Erkenntnis-, sondern ein dickes Akzeptanzproblem für Vorgaben.

Was Söder meint und wo er Recht hat: Es ist wichtig, dass neue Limits regional, aber konsequent eingezogen werden. Dafür braucht es Kommunalpolitiker, die aus vielen Daten – etwa Fall- und Testzahlen, Inzidenz, Hospitalisierung, Reserven, Eingrenzbarkeit – die richtige Entscheidung treffen und sie mutig vertreten. Corona-Ampeln springen nicht von alleine um, und gute Politiker haben es nicht nötig, sich dahinter zu verstecken.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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