Der Versuchung widerstanden

Bund rettet die Lufthansa. GEORG ANASTASIADIS.

Die größte staatliche Rettungsaktion in der deutschen Unternehmensgeschichte scheint seit gestern in trockenen Tüchern: Mit einer Finanzspritze von neun Milliarden Euro verhindert der Bund den Absturz der Lufthansa. Die viertgrößte Industrienation der Welt ohne eine nationale Fluglinie – das wollte sich in der Bundesregierung lieber niemand vorstellen, zu Recht. Die ohne eigenes Verschulden in Existenznot geratene Lufthansa ist Teil der kritischen Infrastruktur des Landes. Die überlässt man nicht leichtfertig einer fremden Macht.

Die Regierung hat auch der Versuchung widerstanden, sich zu sehr in unternehmerische Entscheidungen einzumischen. Dass Aktionäre keine Dividende erhalten, wenn ein Konzern mit Steuerzahlergeld gerettet werden muss, ist selbstverständlich. Weitergehende Auflagen – wie die von der Gewerkschaft geforderte Garantie für den Erhalt aller Arbeitsplätze oder die von den Grünen verlangte Umwandlung der Airline in ein grünes Unternehmen – wird es aber nicht geben. Denn die Lufthansa braucht jetzt faire Wettbewerbsbedingungen. Nur so kann sie nach Überwindung der Corona-Flaute wieder die Gewinne einfliegen, die sie braucht, um das Geld der Steuerzahler zurückzuzahlen. Die Lufthansa darf kein Milliardengrab werden wie die in der Finanzkrise vom Staat gerettete Commerzbank. Anders als diese hat der Luftfahrtkonzern heute immerhin die reelle Chance, als Sieger aus der jetzt anstehenden Neuordnung des Marktes hervorzugehen.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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